Anti-Falten-Nervengift
Botox für die Massen

Auf den roten Teppichen dieser Welt sind mit dem Anti-Falten-Mittel Botox gespritzte Stars allgegenwärtig. Doch jenseits der Schönheitschirurgie findet das Mittel wenig Anwendung. Der Hersteller Allergan will das ändern.
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New York/FrankfurtAls Anti-Falten-Mittel hat sich Botox in Deutschland etabliert – mehr als 60.000 Behandlungen nehmen Schönheitschirurgen hierzulande pro Jahr durch. Der US-amerikanische Hersteller Allergan will seinen Verkaufsschlager jetzt aber auch in der Medizin stärker bekannt machen. Allergan-Chef David Pyott war gerade in Deutschland, um bei Ärzten und Krankenkassen für Botox als Medikament zu werben.

„Deutschland steht hier noch ganz am Anfang“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe hier als ePaper). Doch er sieht Potenzial. In den nächsten fünf Jahren will er Deutschland zum wichtigsten Markt für Botox-Therapien in Europa machen.

Gegen insgesamt 27 Krankheitsbilder ist das Nervengift Botox bereits zugelassen, darunter Lid-Krämpfe, neurologische Bewegungsstörungen im Nacken, Spasmen in den Oberarmen und zuletzt auch gegen Migräne und Blasenschwäche. „In der Pharma-Industrie ist das einzigartig“, sagt Pyott. Der Allergan-Chef lässt bereits nach weiteren Einsatzmöglichkeiten für Botox suchen. Unter anderem testen seine Forscher gerade, ob Botox gegen Depressionen hilft.

Auch in der Ästhetik gibt es neue Trends. Laut Pyott würden sich Frauen in Südkorea Botox in die Wade spritzen lassen, um sie schlanker zu machen. Offiziell genehmigt ist diese Anwendung nicht. Doch die Nachfrage ist da, also laufen bei Allergan auch dazu erste Studien.

Im vergangenen Jahr hat der Konzern den Umsatz mit dem Nervengift Botox um zwölf Prozent auf fast zwei Milliarden Dollar (1,44 Milliarden Euro) gesteigert. Ein Grund, weshalb das Wachstum weitergehen könnte: Das Pharmaunternehmen Johnson & Johnson hat zuletzt verkündet, aus dem Botox-Geschäft auszusteigen: Die Entwicklung eines Konkurrenzprodukts werde nicht weiter verfolgt. Dessen Zulassung war ursprünglich für Ende 2014 vorgesehen. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf ein anderes Geschäftsgebiet: Brustimplantate.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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