Anton Weinmann
Ex-MAN-Manager wegen Schmiergeldzahlungen verurteilt

Im MAN-Schmiergeldprozess hat der Ex-Chef der Nutzfahrzeugsparte ein Geständnis abgelegt. Anton Weinmann räumte vor dem Landgericht München seine indirekte Beihilfe an Bestechungszahlungen nach Slowenien ein.
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MünchenDer frühere MAN-Vorstand Anton Weinmann ist wegen Beihilfe zur Bestechung zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und 100 000 Euro Geldauflage verurteilt worden. Nach einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht München hatte der langjährige Leiter der MAN-Nutzfahrzeugsparte am Mittwoch ein Geständnis abgelegt: Er habe 2004/05 nicht genug getan, um Schmiergeldzahlungen für Aufträge in Slowenien zu unterbinden. Die Anklage wegen Beihilfe zu Bestechungen in Belgien ließ die Staatsanwaltschaft fallen.

Das Gericht betonte, dass Weinmann kein Geld in die eigene Tasche gesteckt und außerdem viel getan habe, um Korruption bei MAN abzustellen - allerdings „nicht stringent genug“. Weinmann gab zu, „Beihilfe durch Unterlassen“ geleistet und so Bestechungszahlungen von rund einer Million Euro in Slowenien nicht verhindert zu haben. Es tue ihm leid, und er entschuldige sich, erklärte er in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung.


Die Staatsanwaltschaft betonte, der Top-Manager habe nichts konkret getan, zum Beispiel Mitarbeiter zu entlassen, und so die Praxis billigend in Kauf genommen. „Die Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung reichten nicht aus.“

Im Vorfeld des Geständnisses hatte es erneut Gespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten gegeben. Kläger und Verteidiger hatten sich im Falle eines Geständnisses darauf geeinigt, einen Teil der Vorwürfe aus der Anklageschrift einzustellen. Der Vorsitzende Richter, Joachim Eckert, hatte dem Ex-Chef der Lkw-Sparte zudem eine Bewährungsstrafe und die Zahlung einer Geldauflage in Aussicht gestellt. Voraussetzung hierfür sei gewesen, dass Weinmann die vorgeworfenen Schmiergeldzahlungen in Slowenien einräume, sagte Eckert am Mittwoch.

Der Ex-MAN-Manager äußerte sich zum ersten Mal im Prozess selbst und machte Angaben zu seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Weinmanns Anwalt sagte, sein Mandant habe ein Interesse daran, den Prozess schnell zu beenden, weil dieser seine Familie stark belaste und seinen früheren Arbeitgeber in Misskredit bringe.

Wenn der Prozess beendet sei, wolle er so schnell wie möglich wieder als Unternehmensberater arbeiten. Weinmann ist der bislang ranghöchste Manager des Lkw-Herstellers, der sich vor Gericht verantworten muss.

MAN hatte sich nach dem Auffliegen der Bestechungsaffäre 2009, neben Weinmann, auch von Konzernchef Hakan Samuelsson und anderen Vorständen getrennt und 150 Millionen Euro Bußgeld gezahlt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen auch gegen Samuelsson.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anton Weinmann: Ex-MAN-Manager wegen Schmiergeldzahlungen verurteilt"

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  • Liebe Leser,
    der Ausgang dieses Prozesses löst bei mir höchste Sorge aus. Wer den Prozess verfolgt hat weiß nicht nur, dass Herr Weinmann stets seine Unschuld beteuert hat, sondern auch, dass ihm auch in keinster Weise nachgewiesen werden konnte, dass er von den Vorgängen wusste. Es ist also in diesem Lande möglich, dass voreingenommene Richter vor den Augen der Öffentlichkeit einen Angeklagten zu einem "Geständnis" zwingen.

    Ich mache mir auch Sorgen um unseren Rechtsstaat. Meines Wissens nach ist in unserem Grundgesetz die Unschuldsvermutung festgeschrieben. Solange der Ankläger nicht beweisen kann, dass der Angeklagte sich schuldig gemacht hat, ist er als unschuldig zu behandeln. Was für Gewaltverbrecher gilt, sollte doch bitte auch für Manager gelten!

    Mit freundlichen Grüßen
    BM

  • Vielleicht sollten sie sich erstmal schlau machen, bevor sie hier so rumprollen. W. hat bis zuletzt seine Unschuld beteuert, lediglich das voreingenommene Gericht hat ihm - nennen wir es so - "nahegelegt" zu "gestehen" um nicht - vielleicht unschuldig - in den Knast zu müssen. Einen solchen Fall eines durch einen solchen Richter für gut 6 Jahre weggesperrten Unschuldigen kenne ich aus meinem persönlichen Bekanntenkreis, also gehen Sie davon aus: Das gibt's!

    Wer ist hier die Wurst?

  • warum? der Anwalt bekommt doch Geld dafür; und das sicher nicht nur nach der RAGO

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