Antrag beim Konkursgericht verschoben
Delphi und General Motors spielen auf Zeit

Der Autokonzern General Motors (GM) und seine ehemalige, nunmehr unter dem Schutz des US-Konkursrechtes operierende Zuliefertochter Delphi, haben sich auf kleinere Kompromisse geeinigt, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen.

PORTLAND. Delphi hat den ursprünglich für den 15. Dezember geplanten Antrag beim Konkursgericht auf Aufhebung der Tarifverträge um mindestens vier Wochen verschoben. GM verzichtet vorübergehend auf vereinbarte Preissenkungen für Delphi-Komponenten und hat Bereitschaft signalisiert, sich an Sozialplänen für Delphi-Beschäftigte zu beteiligen. Ein Ausstand bei dem größten US-Autozulieferer noch in diesem Jahr, der die Produktion bei GM lahm legen würde, gilt damit als unwahrscheinlich.

Der vorübergehende Verzicht auf Preissenkungen hat für den zweitgrößten Autozulieferer der Welt einen Wert von bis zu 200 Mill. Dollar, schätzen Insider. Delphi spart an allen Ecken, einige seiner eigenen Lieferanten drohen bereits, nur noch gegen Vorkasse zu liefern.

Zusätzlich meldet Delphi-Chef Robert S. Miller Fortschritte bei den Verhandlungen mit GM über Auffanglösungen für die Arbeiter des Zulieferers, deren Jobs Miller entweder abbauen oder deren Bezüge er drastisch kürzen will. „Unsere wirtschaftliche Lage bringt erhebliche Härten für unsere Beschäftigten“, sagte Miller gegenüber der Presse, „wir müssen versuchen, sie irgendwie abzufedern“. Als Möglichkeiten nannte er, dass Delphi-Werker wieder zu GM zurückkehren oder dass sie mit einer Abfindung von GM frühpensioniert werden.

Mindestens ein Drittel der rund 34 500 in der Gewerkschaft UAW organisierten Delphi-Arbeiter soll entlassen werden, den übrigen will Miller die Stundenlöhne von 26 auf zehn bis zwölf Dollar kürzen. Die UAW-Führung hat die Forderung als „unverschämt“ zurückgewiesen und mit Streik gedroht. Die Gewerkschaft ist besonders darüber verärgert, dass Delphi großzügige Kompensations- und Bonuspläne für leitende Angestellte plant und zugleich hohe Opfer von den übrigen Beschäftigten fordert. In einem Protest beim Konkursgericht betonte die UAW, dass es ihr schwer falle, über Lohnkürzungen zu verhandeln während Erfolgsbeteiligungen für das Management über 500 Mill. Dollar beschlossen sind.

Wenngleich die verschobene Aussetzung der Tarifverträge die Lage vorerst entschärft kann von einer Beilegung der Krise keine Rede sein. Die jüngst verschärften Sanierungspläne von GM beeindrucken weder die Anleger noch die Kreditbewerter. Für den Autohersteller, der selbst 30 000 Arbeitsplätze abbauen will, wäre die Übernahme von Delphi-Beschäftigten ebenso eine zusätzliche Belastung wie Milliardenausgaben für Abfindungen. Der Konzern hat in diesem Jahr bereits fast vier Milliarden Dollar Verlust eingefahren.

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