Anwesenheit bei Hauptversammlungen
Bonus für Präsenz

Die Präsenz auf Hauptversammlungen sinkt dramatisch. Die Politik will Abhilfe schaffen und stellt sich einen Dividendenbonus für all jene Anteilseigner vor, die Hauptversammlungen besuchen.

DÜSSELDORF. Einig sind sich Unternehmen, nationale Regierungen und Europäische Union in dem Ziel, den Besuch von Hauptversammlungen attraktiver zu machen. Denn nach einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sinkt die Präsenz auf Hauptversammlungen dramatisch.

2005 waren bei den 30 Konzernen im Deutschen Aktienindex (Dax) durchschnittlich knapp 46 Prozent der stimmberechtigten Anteilsscheine vertreten. Vor acht Jahren waren es noch 61 Prozent. Zu Adidas, Continental und Deutsche Bank kamen 2005 nur ein Viertel der Aktionäre.

Der geringe Zuspruch ermöglicht es einzelnen Aktionären, mit relativ wenigen Stimmen Entscheidungen zu erzwingen. Spektakuläres Beispiel ist die Deutsche Börse. Dort gelang es Hedge-Fonds im vergangenen Jahr, mit einem Anteil von zehn Prozent die geplante Übernahme der London Stock Exchange zu verhindern und Vorstandschef Werner Seifert zum Rücktritt zu zwingen.

Geht es nach dem Willen der Politiker, gibt es solche Fälle künftig nicht mehr. Bundesjustizministerium Brigitte Zypries (SPD) hatte im vergangenen Jahr mit ihrem Vorstoß Aufsehen erregt, aktive Aktionäre zu belohnen. Sie stellt sich einen Dividendenbonus für all jene Anteilseigner vor, die Hauptversammlungen besuchen. Dafür müsste das Justizministerium das deutsche Aktienrecht ändern. Zypries hält ihre Idee mit dem EU-Recht vereinbar. Letztlich bleibt es allerdings den Unternehmen überlassen, einen Bonus zu zahlen – sollten jemals die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner hatte sich bereits für derartige „Anreizstrukturen“ ausgesprochen und diese als „effektives Instrument“ bezeichnet.

Die Commerzbank äußert sich gegenüber dem Handelsblatt zurückhaltend: „Die Einführung einer Sonderdividende zur Belohnung scheint uns nicht sinnvoll zu sein.“ RWE spricht von guten Ansätzen, verweist aber ebenso wie Daimler-Chrysler auf ungeklärte rechtliche Probleme. Der Automobilkonzern fürchtet Verzögerungen bei der Dividendenauszahlung, da Abgleiche mit der Teilnehmerliste der Hauptversammlung nötig wären und technische Voraussetzungen hierfür bei den Banken erst geschaffen werden müssten.

Während Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften das Vorhaben begrüßen, ist EU-Berichterstatter und Aktienrechtskenner Wolf Klinz skeptisch: „Das macht keinen Sinn. Auch die Nicht-Teilnahme ist eine Form der Willensbildung und soll respektiert werden. Wer nicht zur Hauptversammlung geht, macht damit deutlich, mit den Beschlüssen leben zu können.“ Schließlich bekomme auch bei politischen Wahlen niemand eine Belohnung – trotz sinkender Wahlbeteiligung.

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