Anzag
Pharmagroßhändler kassiert die Dividende

Der Pharmagroßhändler Andreae-Noris Zahn AG rechnet 2011 mit einem deutlich geringeren Gewinn und will vorsichtshalber keine Dividende zahlen. Grund sind Belastungen durch die Gesundheitsreform, die im November verabschiedet wurde.
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FRANKFURT. „Die Auswirkungen des Gesetzes für Anzag sind derzeit schwer einzuschätzen, deshalb wollen wir das Geld erst einmal im Unternehmen halten“, sagte Anzag-Chef Thomas Trümper.

Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (Amnog) regelt die Vergütung des Pharmagroßhandels neu, was nach Schätzung des Branchenverbandes Phagro für die Branche eine Reduzierung der Marge um rund 200 Millionen Euro pro Jahr bedeutet. Anzag würde bezogen auf den Marktanteil von 16 Prozent mehr als 30 Millionen Euro einbüßen. Gemessen am Vorsteuergewinn des abgelaufenen Geschäftsjahres in Höhe von 40,5 Millionen Euro wäre das mehr als drei Viertel.

Anzag will gegensteuern, indem die Konditionen und Rabatte mit den rund 8 000 Apothekenkunden neu ausgehandelt werden. „Es ist unausweichlich, dass wir die Belastungen an die Apotheker weiterreichen“, sagte Trümper. Das Gesundheitsministerium hatte ursprünglich Einsparungsmöglichkeiten von jährlich 400 Millionen Euro in der Großhandelsbranche ausgemacht. Diese Zahl bezieht sich auf Konditionen und Rabatte, die der Großhandel den Apotheken gewährt hat.

Von dem neuen Mehrheitsaktionär Alliance Boots erwartet sich Anzag mehr Spielräume, das Geschäft weiterzuentwickeln. Stefano Pessina, Verwaltungsratschef von Alliance Boots, hatte bereits bei der Übernahme der Mehrheit an Anzag im Oktober angekündigt, seine Eigenmarkenstrategie auf Deutschland und andere Länder auszuweiten.

Anzag liegt mit den Wettbewerbern Gehe und Sanacorp im deutschen Pharmagroßhandel etwa gleichauf. Marktführer ist Phoenix, die mehr als ein Viertel des Marktes kontrollieren. Während der Umsatz der Branche laut Anzag um rund sechs Prozent gestiegen ist, blieb Anzag mit einem Wachstum in Deutschland um 5,4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro leicht hinter dem Markt zurück. Insgesamt wuchs das Unternehmen im Geschäftsjahr 2009/2010 (31. August) um sieben Prozent auf 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Das Ergebnis nach Steuern wurde auf 30,5 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

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  • Herr Trümper hält, was er verspricht: Neu aushandeln und an die Apotheken weiterreichen. Hier die traurigen Auswirkungen: http://www.youtube.com/watch?v=5U56GSYZiaQ

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