AOK-Ausschreibung
Hiobsbotschaft für Merckles Ratiopharm

Die führenden deutschen Generikahersteller - darunter insbesondere Ratiopharm und Stada - sind bei den jüngsten Ausschreibungen der AOK bisher offenbar weitgehend leer ausgegangen. Das trifft vor allem Ratiopharm in einer sensiblen Phase. Das Unternehmen gehört zur Gruppe des finanziell angeschlagenen Adolf Merckle und soll eventuell verkauft werden.

FRANKFURT. Die führenden deutschen Generikahersteller - darunter insbesondere Ratiopharm und Stada - sind bei den jüngsten Ausschreibungen der AOK bisher offenbar weitgehend leer ausgegangen. Darauf deuten Informationen aus der Branche. Danach kamen bei einer Reihe umsatzstarker Wirkstoffe wie dem Herzmittel Ramipril oder dem Blutfettsenker Simvastatin vor allem die Sanofi-Tochter Winthrop, die zu Sandoz gehörende Firma 1a Pharma sowie eine Reihe kleinerer Hersteller zum Zuge.

Die federführende AOK-Baden-Württemberg und Sprecher führender Generikafirmen wollten sich dazu nicht äußern. Das sei verfrüht, solange die AOK noch nicht alle Entscheidungen getroffen habe, sagte ein Sprecher von Stada.

Die AOK hatte am Freitag bekannt gegeben, dass man für 44 von insgesamt 64 europaweit ausgeschriebenen Wirkstoffe erste Entscheidungen getroffen und die Bieterfirmen darüber per Post informiert habe, ob ihre Angebote einen Zuschlag für die nächsten zwei Jahre erhalten könnten. Die 64 ausgeschriebenen Substanzen erzielten nach Angaben der AOK 2007 einen Umsatz von 2,3 Mrd. Euro und repräsentieren damit fast ein Viertel des deutschen Marktes für patentfreie Medikamente (Generika).

Fachleute aus der Branche rechnen damit, dass es zu einer Flut von Anfechtungsklagen gegen die Entscheidungen der AOK kommen wird und Hersteller auf diesem Weg versuchen werden, doch noch ins Geschäft zu kommen. Die Tatsache, dass sich eine Reihe von bisher eher unscheinbaren Anbietern bei den Ausschreibungen durchsetzte, werten sie unterdessen als Indiz für weiteren Preisdruck bei patentfreien Medikamenten.

So scheint etwa der französische Konzern Sanofi-Aventis entschlossen, seine bisher eher schwache Position auf dem deutschen Generikamarkt deutlich auszubauen, um auf diese weise seine umfangreichen Produktionskapazitäten besser auszulasten. Die AOK will in den nächsten Tagen auch über die restlichen Substanzen entscheiden und die Anbieter in der kommenden Woche informieren. Vor allem für die Ulmer Ratiopharm und deren Obergesellschaft, die angeschlagene Merckle-Holding VEM Vermögensverwaltung, wäre es sehr ungünstig.

Sollte sich der Trend bestätigen und Ratiopharm bei den AOK-Ausschreibungen weitgehend außen vor bleiben. In diesem Fall müsste das Ulmer Unternehmen, ähnlich wie einige große Konkurrenten, mit dem Verlust von Anteilen auf dem wichtigen deutschen Markt rechnen, was wiederum die Bewertung von Ratiopharm belasten dürfte.

Ein Verkauf des Ulmer Pharmaunternehmens gilt als naheliegendster Schritt, mit dem die Merckle-Gruppe die Finanzprobleme ihrer Holding VEM Vermögensverwaltung lösen könnte. Die kreditgebenden Banken, mit denen Merckle derzeit über einen Überbrückungskredit verhandelt, drängen nach Angaben der VEM massiv auf einen Verkauf von Ratiopharm.

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