Apotheker
Warum Medikamente immer noch zu teuer sind

Bis zu eine Milliarde Euro Arzneimittelkosten will die AOK innerhalb von zwei Jahren mit ihren im Juni gestarteten Rabattverträgen mit Generika-Produzenten einsparen. Doch dieses Ziel wird nicht zu erreichen sein, wenn die Umsetzung insbesondere bei dem größten Medikament der Tranche weiter so schleppend läuft wie bisher.

FRANKFURT. Vom Magenmittel Omeprazol sind in den ersten Wochen nach Start des Vertrags gerade mal sechs Prozent der Packungen von dem Vertragspartner KSK an AOK-Patienten ausgegeben worden. Das zeigen Daten des Marktforschungsinstituts IMS, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen.

Die in der Nähe von Karlsruhe ansässige KSK AG hatte neben 21 weiteren Generikafirmen den Zuschlag von der AOK für ihre mittlerweile dritte Rabattausschreibung bekommen. Die Tranche umfasst insgesamt 63 Wirkstoffe, die auf Herstellerabgabepreise gerechnet rund 900 Mio. Euro Umsatz umfassten. Omeprazol ist mit rund 16 Prozent Anteil der umsatzstärkste Wirkstoff.

KSK-Chef Peter Krcmar sah sich am Mittwoch dazu gezwungen, den Aktionären der Firma eine Gewinnwarnung zu schicken: "Die AOK-Rabattverträge mit Omeprazol laufen so schlecht, dass wir trotz eines sofortigen Stopps der Produktion übergroße Lagerbestände aufgebaut haben, die wir vielleicht - ohne Verbesserung der Vertrags-Umsetzung - als teilweise unverkäuflich werden abschreiben müssen", heißt es dort. Die Gewinnwarnung sei vorsorglich, so Krcmar gegenüber dem Handelsblatt, er habe durchaus Hoffnung, dass die AOKs im eigenen Interesse für eine sehr viel umfangreichere Verwendung des Omeprazols sorgen werde, da ihnen beim heutigen Stand der Umsetzung mindestens 100 Mio. Euro Rabatte in den nächsten zwei Jahren verloren gehen würden. Das wären zehn Prozent des anvisierten Einsparvolumens.

Christopher Herrmann, Vorstandsvize der AOK Baden-Württemberg und bundesweiter Chefunterhändler der AOK-Arzneirabattverträge, hatte bei einer Pressekonferenz im Mai noch von 512 Mio. Euro Einsparungen pro Jahr gesprochen. Am Mittwoch betonte er gegenüber dem Handelsblatt, dass es sich bei dieser Zahl nur um das Potenzial der Einsparung gehandelt habe. Das könne nur bei einer 100-prozentigen Umsetzung der Verträge erreicht werden. "Wenn wir 300 bis 400 Mio. Euro pro Jahr erreichen, sind wir gut", sagte Herrmann. Es sei ärgerlich, dass die Abgabe von Omeprazol so aus dem Rahmen falle, gibt der AOK-Mann zu. Insgesamt sei die AOK mit der Umsetzung der Verträge aber sehr zufrieden.

Dass die Apotheker kaum Omeprazol an die AOK-Patienten abgeben, liegt an Tücken im Vertragswerk und den besonderen Packungsgrößen von KSK Pharma. Das Unternehmen bietet das Magenmittel in Packungsgrößen von 15, 28, 56 und 98 Tabletten an. Im Markt üblich sind Größen mit 15, 30, 60 und 100 Tabletten. Wenn jetzt ein Arzt aus alter Gewohnheit eine 60er-Packung Omeprazol verschreibt, dann darf der Apotheker strenggenommen keine 58er KSK-Packung abgeben, weil er per Gesetz angewiesen ist, nur Gleiches mit Gleichem auszutauschen. Und 58 sind nicht gleich 60 Tabletten. Der Arzt müsste also entweder den Wirkstoff, die Dosierung und die Angabe kleine, große oder mittlere Packung auf das Rezept schreiben oder direkt eine KSK Packung verordnen, damit der Apotheker das Produkt auch tatsächlich abgeben darf.

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