Apple-Zulieferer
Halbleiterhersteller streben Fusion an

Zusammenschluss unter gleichen? Die Halbleiterhersteller AMS und Dialog Semiconductor lösen an der Börse mit den Gesprächen über eine Fusion Kurssprünge aus. Beide Unternehmen sind jeweils 1,7 Milliarden Euro wert.
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FrankfurtDer schwäbisch-britische Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor erwägt einen Zusammenschluss mit dem österreichischen Konkurrenten AMS. Die Gespräche seien in einem sehr frühen Stadium, hieß es in am Donnerstag veröffentlichten Mitteilungen von Dialog Semiconductor und AMS. Es sei aber nicht sicher, dass die Transaktion tatsächlich zustande komme. AMS müsse bis zum 24. Juli eine feste Absicht erklären oder ein Angebot für Dialog Semiconductor abgeben.

Den Mitteilungen zufolge ist ein Zusammenschluss unter Gleichen geplant. Die „Financial Times“ (Donnerstag) berichtete unter Berufung auf mit den Planungen vertraute Personen, die Gespräche zwischen den Unternehmen liefen seit einigen Monaten. An der Börse kommen beide Firmen derzeit auf einen Wert von jeweils rund 1,7 Milliarden Euro. Während AMS (früher Austriamicrosystems) vor allem bei Sensoren stark ist und selbst Chips produziert, entwickelt Dialog Teile für Handy-Ladegeräte und LED-Leuchten. Rund drei Viertel des Umsatzes erwirtschaftet Dialog mit dem iPhone- und iPad-Hersteller Apple, den auch AMS beliefert.

„Es gibt noch eine Menge zu diskutieren“, sagte ein an den Verhandlungen Beteiligter am Donnerstag. Noch geht es vor allem ums Geld: Die Führung von Dialog wolle, dass AMS einen Aufschlag von zehn Prozent auf den Kurs biete, während AMS vor allem auf die Synergie-Vorteile setze. Die Unternehmen waren für weitergehende Stellungnahmen nicht zu erreichen.

Dem Blatt zufolge ist vorgesehen, dass AMS künftig den Aufsichtsratschef stellt und Dialog den Vorstandsvorsitzenden beruft. Zugleich solle Dialog aber seine Börsennotierung in Deutschland aufgeben. Das gemeinsame Unternehmen solle künftig nur noch in der Schweiz gehandelt werden, wo AMS notiert ist.

An der Börse honorierten die Anleger die Aussicht auf eine Übernahme: Dialog-Aktien sprangen im Technologieindex TecDax um bis zu 9,6 Prozent auf 26,38 Euro und damit auf den höchsten Kurs seit dreizehneinhalb Jahren. Die AMS-Papiere stiegen in der Spitze um 7,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 156,80 Schweizer Franken.

Einig sei man sich darüber, dass Dialog Semiconductor den künftigen Vorstandschef stelle und AMS den Aufsichtsratschef, berichtete die Zeitung. Dialog wird seit neun Jahren von dem iranischstämmigen Jalal Bagherli geführt. Analysten zufolge sucht AMS derzeit einen neuen Chef. Den Plänen zufolge solle das fusionierte Unternehmen nur noch an der Schweizer Börse notiert sein, hieß es in dem Bericht. AMS sitzt in Unterpremstätten in der Steiermark, ist aber in Zürich gelistet. Offizieller Sitz von Dialog ist London, die Firma ist eine Gesellschaft nach britischen Recht, wird aber aus Baden-Württemberg gelenkt.

DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer sprach von einer Überraschung. „Ein Fusion könnte angesichts sich ergänzender Produkte und Märkte sinnvoll sein“, schrieb er in einer Studie. Gemeinsam hätten AMS und Dialog eine größere Einkaufsmacht und könnten bessere Konditionen mit den Chip-Auftragsherstellern aushandeln. „Abgesehen von der Fusion ist Dialog auch allein auf einem enormen Wachstumspfad.“ Andere Analysten warnten davor, dass das Unternehmen nach einer Fusion noch abhängiger von Apple wäre. AMS profitiert von der großen Nachfrage nach Smartphones und Tablet-Computern. Dafür produzieren die Österreicher etwa optische Sensoren oder Mini-Mikrofone, die zur Spracherkennung wichtig sind. AMS-Chips übersetzen analoge Signale wie etwa die Lichtstärke oder Entfernungen zu Objekten in digitale Informationen.

Dialog erwirtschaftete im vergangenen Jahr umgerechnet 660 Millionen Euro Umsatz, ein Plus von 17 Prozent, und einen Gewinn von 46 Millionen Euro. AMS kam auf 378 Millionen Euro Umsatz und 61 Millionen Euro Gewinn. Auch bei der Bruttomarge liegen die Österreicher mit 52 Prozent vor Dialog mit 39 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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