Arabische Ölkonzerne setzen auf Chemie: Konzern aus Abu Dhabi übernimmt Borealis
Europas Kunststoff-Branche verlagert sich nach Osten

Die europäische Kunststoff-Industrie gerät zusehends in die Hände von Investoren aus dem arabischen und asiatischen Raum. Gestern verkaufte der norwegische Ölkonzern Statoil seine 50-prozentige Beteiligung an dem Plastikhersteller Borealis an die International Petroleum Investment Co. (IPIC), einen Konzern aus Abu Dhabi, sowie an die österreichische OMV.

HB FRANKFURT/STOCKHOLM. IPIC ist bisher bereits mit einem viertel an Borealis beteiligt und hält damit künftig eine Mehrheit von 65 Prozent. Bei OMV liegen die restlichen Anteile liegen.

Borealis ist innerhalb weniger Monate der zweite große Hersteller von Standardkunststoffen (Polyolefine), der den Besitzer wechselt. Vor wenigen Wochen verkauften BASF und Shell ihr Gemeinschaftsunternehmen Basell an ein Konsortium um die Investmentfirma Access Industries und die indische Chatterjee. An Basell war auch die iranische NPC interessiert. Sie zog den Kürzeren, weil die USA diplomatischen Widerstand aufbaute.

Hinter den Übernahmen im Kunststoffsektor stehen die Ambitionen der Öl-Förderländer in der Chemieproduktion. Unter anderem um ihre überschüssigen Erdgasreserven besser zu nutzen, errichten sie derzeit umfangreiche Kapazitäten für chemische Basisprodukte wie Ethylen und Propylen.

Der Erwerb von etablierten Kunststoffproduzenten bietet ihnen die Möglichkeit, Absatzmärkte zu erschließen und die Wertschöpfung eine Stufe weiter nach vorne zu bringen. „Das Gravitationszentrum der Polyolefin-Industrie verlagert sich nach Osten“, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Die Experten gehen davon aus, dass der Mittlere Osten seine Nettoexporte bis Ende des Jahrzehnts verdoppelt.

Auf der anderen Seite ziehen sich westliche Chemie- und Ölkonzerne aus der Produktion von Standardkunststoffen zurück, weil sie bei der Rohstoffversorgung immer weniger mit den kostengünstigen Anbietern im Mittleren Osten konkurrieren können. Statt dessen versuchen sie sich ganz auf das Energiegeschäft oder auf höherwertige Chemieprodukte zu konzentrieren.

Basell und Borealis gehören zu den führenden Herstellern von Polyethylen und Polypropylen. Diese weit verbreiteten Massenkunststoffe werden unter anderem für die Herstellung von Folien, Verpackungen und vielen Alltagsgegenstände verwendet. Bereits vor drei Jahren hatte die saudi-arabische Sabic die entsprechenden Aktivitäten des niederländischen Chemiekonzerns DSM übernommen.

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