Arbeit soll günstig im Osten gemacht werden
FAG Kugelfischer plant Stellenabbau in großem Stil

Über 1 000 Stellen will der Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer in Deutschland abbauen. Der größte Teil davon soll nach Osteuropa verlagert werden. Das Kegelrollen-Werk im unterfränkischen Eltmann mit 673 Mitarbeitern solle bis 2006 geschlossen und die Produktion in osteuropäische Niedriglohnstandorte ausgelagert werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der FAG Kugelfischer AG, Robert Schullan, am Donnerstag.

HB SCHWEINFURT. Zudem sollen am Hauptstandort in Schweinfurt mittelfristig 356 Stellen gestrichen werden. Grund sei der starke internationale Wettbewerbsdruck. Betriebsrat und IG Metall haben Widerstand angekündigt.

„Wir sehen uns auf Grund des Wettbewerbsumfeldes nicht in der Lage, den Standort Eltmann zu halten“, sagte Schullan. Vor allem normierte Standardprodukte wie Kegelrollen, Rillenkugellager, aber auch Radlager seien vom Verfall der Weltmarktpreise betroffen. Diese seien trotz effizientester Fertigungsverfahren in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich herstellbar, hieß es.

Für alle Mitarbeiter, auch an den Standorten Wuppertal und Elfershausen (Kreis Bad Kissingen), will das zur INA-Schaeffler-Gruppe (Herzogenaurach) gehörende Unternehmen außerdem übertarifliche Zulagen streichen und Arbeitszeiten flexibilisieren. Auch der Mutterkonzern INA hatte vor Kurzem Pläne für unbezahlte Mehrarbeit vorgestellt.

„Die Maßnahmen sind eine nachhaltige Stärkung der FAG“, verteidigte Schullan das Konzept. 6 200 Arbeitsplätze würden damit in Deutschland erhalten. Gleichzeitig plane FAG in diesem und im kommenden Jahr jeweils 70 bis 80 Mill. € Investitionen in deutsche Standorte - vor allem in die Fertigung qualitativ hochwertiger Produkte sowie in Forschung und Entwicklung.

Dank eines guten Exports laufen die Geschäfte von FAG mit derzeit weltweit rund 17 600 Beschäftigten laut Schullan in diesem Jahr nicht schlecht. „Wir sind nicht etwa in einer Krisensituation, aber wir können nicht erst dann reagieren, wenn es zu spät ist“. Zum Jahresende läuft das vor fünf Jahren ausgehandelte Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrag zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Unternehmensleitung aus.

IG Metall und Betriebsrat wollen gegen den geplanten Stellenabbau und eine Schließung des FAG-Werkes in Eltmann kämpfen. „Wir werden keine Stilllegung verhandeln, wir wollen über eine Fortführung verhandeln“, sagte Gesamtbetriebsratschef Norbert Lehnhard. Es gebe keinen ausreichenden Grund für derartige Einschnitte. Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer warf der FAG-Geschäftsführung „Wortbruch“ vor. Seit Jahren habe die Zusage für den Erhalt aller Werke gegolten. „Statt Innovation bei Produkten, in der Betriebsorganisation sowie in Forschung und Entwicklung voranzutreiben, wird alles mit einer Dampfwalze platt gemacht“.

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