Arbeiter fordern stärkere Gewinnbeteiligung
Brasilianer bestreiken VW

Brasilianische VW-Werker bestreiken drei Fabriken. Sie wollen stärker an den Gewinnen des Autokonzerns beteiligt werden. Auch deutsche Autokäufer könnten den Arbeitskampf zu spüren bekommen.

HB SAO PAOLO. Mit einem unbefristeten Streik haben am Dienstag die Gewerkschaften die Produktion in insgesamt drei brasilianischen VW-Werken lahmgelegt . 5500 Arbeiter in einer Produktionsstätte in Taubate sollen nach Arbeitnehmerangaben am Dienstag in den Streik getreten sein. Etwa 12 400 Arbeiter in einem weiteren Werk in Sao Bernardo hätten die Werkzeuge schon am Donnerstag niedergelegt. Am Montag seien ihnen Kollegen in einem Motorenwerk in Sao Carlos gefolgt.

Die Mitarbeiter verlangen Einkommensverbesserungen von durchschnittlich 5500 Real (etwa 2100 Euro) pro Jahr und begründen dies mit der vereinbarten „Beteiligung an Gewinn und Ergebnissen“. VW dagegen bietet lediglich 4700 Real. Sprecher von „VW do Brasil“ erklärten, das Unternehmen sei zu Verhandlungen mit den Arbeitern bereit. Betont wird allerdings, dass der angebotene Betrag den des Vorjahresbereits um 13 Prozent übertreffe. VW leitete zudem gerichtliche Schritte gegen die Streikbeschlüsse ein. Gewerkschaften kündigten Gegenmaßnahmen an.

In Sao Carlos wird unteren anderem der für den Export nach Europa bestimmte Kleinwagen Fox produziert. Der Autogewerkschaft zufolge führen die Streiks in den Werken von Sao Bernardo und Taubate zu einem Produktionsausfall von jeweils 900 Autos am Tag. Ob es durch den Arbeitskampf zu Lieferengpässen in Deutschland und den restlichen europäischen Ländern kommt, ist noch unbekannt.

In Brasilien unterhält Volkswagen die nach Deutschland größten Werke. Den 102&500 deutschen Mitarbeitern stehen 22 300 brasilianische gegenüber. VW produziert dort nicht nur Autos und Transporter, sondern auch schwere Lastwagen. Diese sollen künftig weltweit exportiert werden.

„VW do Brasil“ hat sich für das laufende Jahr ein Produktionsziel von insgesamt 217 000 Fahrzeugen gesetzt. Ein Sprecher der Metallarbeitergewerkschaft von Sao Paulo erklärte, das Ziel sei unmöglich zu erreichen. „Selbst wenn Urlaub gestrichen und die Zahl der Überstunden erhöht wird, könnten höchstens 206&nsbp;000 Fahrzeuge vom Band laufen.“

Im mexikanischen Werk Puebla, wo unter anderem der New Beetle und der Jetta produziert werden, hat sich VW erst Mitte August mit den 11 800 Beschäftigten auf Lohnerhöhungen von 4,2 Prozent geeinigt - ein Drittel der ursprünglichen Forderung der Gewerkschaft. Die Einigung kam ohne Streik zustande. Im vergangenen Jahr hatten die Arbeiter das Werk vor einem Kompromiss allerdings vier Tage lang lahm gelegt.

Brasilien war 2003 von Streiks betroffen. VW gestand seinen Arbeitern schließlich gut 18 Prozent mehr Lohn zu. Allerdings lag die Inflation zu der Zeit bei fast 16 Prozent.

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