Arbeiter streiken
VW-Abbau gefährdet belgische Konjunktur

Volkswagen plant den Abbau von rund 4 000 Arbeitsplätzen in Brüssel und den Abzug der Golf-Produktion. Sie soll nach Wolfsburg verlagert werden. So bleiben in Brüssel nur knapp 1 500 Arbeiter, die in Zukunft vermutlich den Polo bauen sollen. Die Folgen für die belgische Wirtschaften könnten noch schlimmer sein als bisher angenommen.

rur BRÜSSEL. Die Wut war am gestrigen Mittwoch groß bei den Arbeitern im Brüsseler Volkswagen-Werk: „Nach allem, was wir für Wolfsburg getan haben, ist das einfach ekelhaft“, sagte ein 52 Jahre alter Arbeiter. Kurz zuvor hatten die Gewerkschaften in einer Vollversammlung verkündet, was sowieso schon jeder wusste: Volkswagen plant den Abbau von rund 4 000 Arbeitsplätzen in Brüssel und den Abzug der Golf-Produktion. Sie soll nach Wolfsburg verlagert werden. So bleiben in Brüssel nur knapp 1 500 Arbeiter, die in Zukunft vermutlich den Polo bauen sollen.

Die wirtschaftlichen Folgen könnten in Belgien noch schlimmer sein als bisher angenommen. Nach Studien der belgischen Nationalbank und des belgischen Automobilverbands Agoria sind von der Restrukturierung nicht nur die 4 000 Volkswagen-Arbeiter betroffen. Die Analysten rechnen damit, dass insgesamt bis zu 12 000 Arbeitsplätze wegfallen – vor allem in den VW-Zulieferfirmen. Das belgische Wirtschaftswachstum könnte dadurch einen Knick von 0,2 Prozent davontragen.

Zudem weist der belgische Premierminister das Argument zurück, in Wolfsburg werde billiger produziert als in der belgischen Hauptstadt. Die Arbeiter in Brüssel wollen nicht kampflos aufgeben und weiterhin auf unbedingte Zeit streiken. Außerdem haben sie rund 3 000 bereits fertig montierte Autos als „Geiseln“ auf dem Firmengelände genommen.

Unterdessen hat die belgische Bahn SNCB angeboten, einige Hundert VW-Arbeiter zu übernehmen. Außerdem will die Europäische Kommission überprüfen, ob EU-Gelder frei gemacht werden können, die helfen sollen, die sozialen Folgen in Brüssel abzufedern.

Es ist nicht das erste Mal, dass Belgien von einem solchen Drama in der Automobil-Industrie erschüttert wird. 1997 schloss Renault in Vilvoorde seine Türen. Damals standen auf einen Schlag 3 200 Arbeiter auf der Straße. Ein europaweiter Streik sorgte dann für einen annehmbaren Sozialplan. Sechs Jahre später strich Ford in Genk über 2 000 Arbeitplätze, stellt aber in der Zwischenzeit wieder ein und will in Belgien drei neue Modelle produzieren.

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