Arbeitnehmer befürchten Ausgliederungen
Siemens will offenbar weitere Stellen streichen

Nach Arbeitnehmerangaben sind beim Industrie- und Technologiekonzern Siemens fast 1000 weitere Arbeitsplätze von Streichung oder Ausgliederung bedroht.

HB MÜNCHEN. Bei der geplanten Auslagerung der Fahrleitungsbau-Sparte mit 520 Beschäftigten in ein Gemeinschaftsunternehmen wolle Siemens massive Lohneinbußen und längere Arbeitszeiten für die Betroffenen durchsetzen, berichtete die IG Metall am Mittwoch in München. In Würzburg befürchtet der Gesamtbetriebsrat des Autozulieferers Siemens VDO die Verlagerung von rund 400 Stellen in ein neues Werk in Tschechien.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte Gespräche mit der Baufirma Leonhard Weiss über ein Joint Venture für den Fahrleitungsbau. Es gebe aber noch keine Einigung. Nach Informationen der IG Metall soll das Gemeinschaftsunternehmen zum Jahreswechsel an den Start gehen. Siemens werde nur noch eine Minderheitsbeteiligung von 49 % halten. Die Mitarbeiter sollten künftig nach dem Bautarif bezahlt werden und so über 30 % ihres Lohns bei längeren Arbeitszeiten verlieren.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft darf aber auch künftig für die Beschäftigten, die bisher nach Metall-Tarif bezahlt wurden, nicht der Bau-Tarif gelten. Siemens wolle daher die Beschäftigten einzelvertraglich zur Unterschrift unter die verschlechterten Bedingungen bewegen. „Es ist ein Skandal, wie der hoch profitable Siemens-Konzern mit diesen Beschäftigten verfahren will, die unter härtesten Bedingungen arbeiten müssen.“ Die Monteure im Fahrleitungsbau müssen unter anderem rund um die Uhr Bahn- Oberleitungen reparieren.

Bei Siemens VDO in Würzburg fertigen derzeit 1650 Mitarbeiter unter anderem elektrische Fensterheber, Antiblockiersysteme und Kühlsysteme für Motoren. Die Geschäftsleitung habe den Beschäftigten in der Sparte Elektromotoren angekündigt, ein Werk in Tschechien zu bauen, sagte Gesamtbetriebsrats-Vize Rudolf Baumeister der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe). Ein VDO-Sprecher sagte am Mittwoch, es gebe Gespräche mit dem Ziel, die Kosten des Werks zu reduzieren. Laut Gesamtbetriebsrat hatte die Geschäftsleitung des Werks zum 30. September eine seit einigen Jahren bestehende Betriebsvereinbarung gekündigt. Diese schloss unter anderem betriebsbedingte Kündigungen als Gegenleistung für flexible Arbeitszeitmodelle aus.

Siemens hatte mit einer Einigung auf eine Beschäftigungssicherung bei zwei Werken in Nordrhein-Westfalen die Diskussion über längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn in Deutschland entfacht. Derzeit wird in verschiedenen Siemens-Bereichen über weitere Kostensenkungen verhandelt.

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