Arbeitskampf
Industrie bereitet sich auf Ernstfall vor

Trotz Vermittlungsversuchen der Politik ist im Tarifkonflikt der Deutschen Bahn keine Entschärfung in Sicht. Vielmehr stellt sich das Unternehmen aktiv auf einen neuen Streik der Lokführergewerkschaft GDL ein. Vorsorglich gibt die Bahn wichtige Gütertransporte an Drittanbieter ab.

BERLIN/GENF. Man habe bestimmte Güterlieferungen im Interesse von Logistikkunden vorsorglich an andere Anbieter abgegeben, berichtete Logistikvorstand Norbert Bensel. "Wir können unseren Kunden die andauernde Unsicherheit nicht zumuten", sagte er.

Falls die GDL den Streik nicht noch überraschend absagt, drohen ab Montag massive Behinderungen im Güter- und im Personenverkehr der Bahn. Je nach Dauer könnte der Ausstand speziell Betriebe mit Just- in-time-Produktion empfindlich treffen. Einen Streik in allen Bahnsparten hatte es bisher nur einmal, im November, gegeben. Damals dauerte er drei Tage. Ob es auch jetzt bei einem überschaubaren Zeitraum bleibt, ist unklar: Angekündigt hat die GDL einen unbefristeten Streik.

Bei den Autoherstellern wären die Folgen eines Ausfalls etwa für Porsche in Leipzig rasch zu spüren. Das Werk bekommt die Karosserien des "Cayenne" per Zug jeweils um sechs Uhr früh von VW aus dem tschechischen Bratislava. "Wenn der Zug nicht kommt, steht die Produktion in Leipzig im Laufe des Tages still", sagte ein Sprecher.

Im Schnitt werden pro Tag 180 Fahrzeuge gefertigt. Etwa 260 Mitarbeiter müssten schlimmstenfalls nach Hause gehen. "Das wird dann über Arbeitszeitkonten verrechnet", sagte der Sprecher. Tatsächlich seien aber zumindest im vergangenen Jahr alle Züge angekommen. "Der Bahn ist klar, dass wir von ihr abhängig sind. Wir hoffen, dass dies auch nächste Woche der Fall sein wird."

Ein Vorteil für Porsche könnte sein, dass das Unternehmen als Vorzeigekunde gilt und daher im Notfall hohe Priorität hat. Die Bahn berichtete, zum einen würden einzelne Fuhren im Kombiverkehr per Lastwagen und Zug zwischen Leipzig und München an Drittfirmen abgegeben. Zum anderen gingen wichtige Chemietransporte für ostdeutsche Industriefirmen an andere Bahnanbieter.

Seite 1:

Industrie bereitet sich auf Ernstfall vor

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%