Arbeitslosenzahl steigt
US-Firmen in Bedrängnis

Das vorläufige Scheitern des Rettungspakets verschärft die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise für die US-Wirtschaft. Selbst bei den Topadressen wird inzwischen ein Zusammenbruch des wichtigen inländischen Konsums befürchtet, weil angeschlagene Banken keine oder nur noch sehr teure Kredite an Verbraucher und Firmen ausgeben. "Man muss davon ausgehen, dass kein Unternehmen immun gegen diese Entwicklungen ist", sagte am Dienstag Steve Ballmer, Chef des Softwareriesen Microsoft.

NEW YORK. Die US-Regierung hatte mittels des vom Kongress zurückgewiesenen Gesetzes geplant, den Banken derzeit nahezu wertlose Wertpapiere abzukaufen. So sollten sie in die Lage versetzt werden, wieder mehr oder günstigere Darlehen zu vergeben.

Betroffen ist vor allem die Autoindustrie. Der jüngsten Kreditstatistik zufolge erhalten nur noch 60 Prozent der Interessenten mit guter Bonität eine Neuwagenfinanzierung von den Banken. Vor der Krise lag die Quote bei 90 Prozent. Gleichzeitig haben es die Autohändler schwer, die für den Verkauf vorgesehenen Wagen mit Krediten zwischenzufinanzieren. "Das verschärft die Situation im ohnehin angeschlagenen Sektor weiter", sagte Jerry Bree von ABSNet, einer Firma, die Kredite in der Automobilindustrie strukturiert. Eine der größten Chrysler-Vertretungen der USA, Bill Heard aus dem Bundesstaat Alabama, machte am Wochenende diese Kreditsituation für seine Insolvenz verantwortlich, bei der 3 200 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren.

Firmen, die nicht lebensnotwendige Güter verkaufen, gehören ebenfalls zu den Verlierern. So reagierten die Papiere des Konsumelektronikherstellers Apple am Montag mit einem Kurseinbruch von 18 Prozent auf die Kongressentscheidung. Analysten befürchten, ein Rückgang des Konsums werde den Absatz der trendigen iPods und iPhones beeinträchtigen. Gleichzeitig zog der IT-Einzelhändler Circuit City, der in Größe und Bedeutung für die Gesamtwirtschaft mit der deutschen Media-Markt-Kette vergleichbar ist, seine optimistische Prognose für das laufende Jahr zurück. Das wichtige Feriengeschäft sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben, erklärte der Konzern. Mike Baker, Analyst bei der Deutschen Bank, sieht darin ein "gestiegenes Risiko für eine Insolvenz". Die Aussichten auf Besserung der Lage sind schlecht - auch wenn das Verbrauchervertrauen in die Wirtschaftsentwicklung im September leicht anzog. Der vom Forschungsinstitut Conference Board berechnete Index stieg auf 59,8 von 58,5 Punkten.

Experten fürchten auch deshalb einen Zusammenbruch des privaten Konsums, der 60 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, weil die Hypothekenzinsen wegen der restriktiveren Vergabepolitik der Banken drastisch steigen. Noch mehr der hochverschuldeten Privatleute als bislang könnten in die Insolvenz schlittern. Dem Immobilienmakler Zillow zufolge stiegen die Konditionen für variabel verzinste Baufinanzierungen mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren in den vergangenen sieben Tagen um 2,3 Prozent. Gleichzeitig fallen die Häuserpreise in den USA ins Bodenlose. Der am Dienstag veröffentlichte Case-Shiller-Hauspreisindex für die zehn größten Städte fiel im Juli gegenüber dem Vorjahr um den Rekordwert von 17,5 Prozent.

Ein Problem ist das für die Hausbesitzer, die ihre Gebäude vollständig fremdfinanziert haben. Fällt der Hauswert unter die Hypothekensumme, müssen Sicherheiten her, oder das Haus geht in die Zwangsversteigerung. In einer wachsenden Zahl von Fällen führen steigende Zinsen und fallende Häuserpreise zu einem Offenbarungseid. So stieg die Zahl der Privatinsolvenzen im August um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 96 412.

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