Arbeitsmarkt
Dax-Konzerne entfachen Job-Boom zuhause

Die Börsenkonzerne scheuten lange Zeit vor Neueinstellungen in Deutschland zurück. Nun hat sich der Trend erstmals seit langem gedreht. Die Erfolgsformel: Wer im Ausland gut verdient, schafft Jobs im Inland.
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DüsseldorfMehr Umsätze, steigende Exporte und höhere Gewinne – das zeichnet die großen deutschen Konzerne seit langem aus. Doch die Kehrseite des Globalisierungsbooms hieß stets: Immer weniger Mitarbeiter forschen, entwickeln und produzieren in der Heimat. Rund 100.000 Stellen hatten die 30 Dax-Konzerne in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland gestrichen, selbst im Boomjahr 2010 gingen 5 000 Stellen verloren. Die Aufschwünge 2007 und 2010 bremsten diesen Exodus zwar ein wenig, vermochten ihn aber nicht umzukehren.

Das ist jetzt Vergangenheit. Erstmals seit zehn Jahren haben die Dax-Konzerne auch in Deutschland wieder Stellen geschaffen. Die 30 Unternehmen beschäftigten zum Jahreswechsel 1,59 Millionen Angestellte in Deutschland. Das waren 16.280 mehr als ein Jahr zuvor.

Die Bilanz sähe noch besser aus, hätten nicht zwei Konzerne Unternehmensteile abgestoßen. Thyssen-Krupp verlor 6000 Mitarbeiter. Dabei handelt es sich aber nicht um Entlassungen, sondern um verkaufte und ausgegliederte Gesellschaften bei den Werften und im Edelstahlsektor. Der Versicherer Allianz beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter weniger. Gut die Hälfte entfiel auf die Industriebeteiligung Manroland. Ein Teil des insolventen Druckmaschinenherstellers war an die Lübecker Possehl-Gruppe gegangen.

Insgesamt waren zum Jahreswechsel 3,8 Millionen Menschen bei den 30 Dax-Konzernen tätig – 60.000 mehr als Ende 2010. Das belegen die Geschäftsberichte und Auskünfte aus den Konzernzentralen. Damit endet in Deutschland ein Langfristtrend, wonach die großen börsennotierten Konzerne im Hochlohnland Stellen streichen – und nur noch in den neuen und preiswerten Märkten neue schaffen. Deshalb war das deutsche Jobwunder mit immer neuen Beschäftigungsrekorden lange Zeit an den Dax-Konzernen vorbeigegangen. Insgesamt stieg 2011 in Deutschland die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um 520.000 auf 41 Millionen. Das ist Rekord.

Stärkster Treiber des Einstellungsbooms im Dax sind die exportstarken Industriekonzerne mit hohem Umsatzanteil im Ausland. Der Chemiekonzern BASF beschäftigt 52.049 Mitarbeiter in Deutschland, 1248 mehr als ein Jahr zuvor. Für Siemens arbeiten jetzt hierzulande 116.000 Beschäftigte, 6000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Gesundheitskonzern Fresenius mit seiner in den USA starken Tochter FMC kommt in Deutschland auf ein Stellenplus von 4439. Bei den Autobauern BMW, Daimler und VW hat sich die Zahl um 17.000 hierzulande erhöht. Die meisten neuen Mitarbeiter in Deutschland stellte VW ein: Rund 11.000. Dabei sind die Beschäftigten des inzwischen voll konsolidierten Lkw-Herstellers MAN nicht eingerechnet.

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Wer Stellen im Ausland schafft, kann das auch in der Heimat

Kommentare zu " Arbeitsmarkt: Dax-Konzerne entfachen Job-Boom zuhause"

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  • also, woher haben Sie diese Euphorie? Die Metro, zum Beispiel, hat 19000 (!!!!) Mitarbeiter weltweit entlassen, meinen Sie, sie stellen jetzt welche, bei deren Zahlen, neu ein?
    Streichen Sie bitte 1 Unternehmen von Ihrer Dax Euphorie ein.

  • ich weiss nicht ob man bei diesen Zahlen von einem Jobboom sprechen kann. Es wäre besser das HB würde mehr und genauer im Bereich Mittelstandsförderung recherchieren. Die DAX-Konzerne sind zwar wichtig und vor allem prominent, aber eben nicht Deutschland.

  • @Merkel-Claqueure
    "Merkel wird über den
    grünen Klee gelobt, warum aber........?"

    Das frage ich mich auch. Entweder sind die Medien so in politischer Hand, dass sie sich nichts anderes zu sagen trauen. Oder aber richtige Journalisten wurden bewusst gegen Hilfsarbeiter und Praktikanten ohne Gehirne ausgetauscht, damit nur noch das gedruckt wird, was die politische Klasse will. Ich als ehemaliger DDR-Bürger kann bestätigen, dass die heutigen Medien sich in nichts mehr von den Medien in der ehemaligen DDR unterscheiden.

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