Arbeitsmarkt
Ingenieuren droht Schweinezyklus

Mit der Konjunkturkrise wachsen Befürchtungen, dass Deutschland eine neue Flucht aus technischen Studiengängen droht. Denn wer als angehender Ingenieur ausgerechnet in diesem Jahr sein Studium abschließt, trifft auf ein völlig verändertes Wirtschaftsumfeld: Selbst in den klassischen Mangelberufen könnte es auf einmal wieder schwieriger werden, einen Arbeitsplatz zu bekommen.

BERLIN. Wirtschaft, Politik und Hochschulen trommeln deshalb bereits: Der berüchtigte „Schweinezyklus“ der 90er-Jahre dürfe sich keinesfalls wiederholen. Würde potenzieller Ingenieursnachwuchs nun wieder abgeschreckt, könnte sich dies spätestens im nächsten Aufschwung als desaströser Standortnachteil erweisen, mahnt Manfred Wittenstein, Präsident des Maschinenbau-Verbandes VDMA: „Wir Unternehmer dürfen jetzt keine kurzsichtige Personalpolitik betreiben. Und technisch interessierte junge Leute sollten sich nicht verunsichern und vom Ingenieurstudium abhalten lassen“, sagte Wittenstein dem Handelsblatt.

Zugleich formuliert die IG Metall bereits offene Sorgen um die Zukunft des nächsten Absolventenjahrgangs. „Wir müssen dringend Perspektiven für die vielen Hochschulabgänger entwickeln, die im Frühsommer im Bereich der Ingenieurswissenschaften ihr Studium abschließen und nun kurzfristig nur noch miserable Chancen auf einen Arbeitsplatz haben“, fordert Jörg Hofmann, IG-Metall-Bezirkschef in Baden-Württemberg. „Man kann nicht tatenlos zusehen, bis angehende Ingenieure Taxifahrer geworden oder ausgewandert sind.“

Aktuell klagt ein Teil der Industrie zwar noch laut über Fachkräftemangel – ungezählte Initiativen versuchen, mehr junge Leute für technische Fächer zu begeistern. Im Sommer 2008 erreichte die vom VDI geschätzte Ingenieurslücke mit 75 000 ihren Höhepunkt. Den Wertschöpfungsverlust schätzt der VDI für 2008 auf sieben Mrd. Euro. Auch im Moment fehlen noch 55 000 Ingenieure, während die Zahl der Absolventen 2009 nach Expertenschätzungen bei etwa 41 000 liegen wird.

Doch der Wind dreht sich, wie die Stellenstatistik der Bundesagentur für Arbeit belegt: Die Zahl der Offerten für Ingenieure ging binnen Jahresfrist um 18 Prozent zurück. Robuste Nachfrage herrscht nur noch am Bau. Besonders stark brach das Angebot für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure ein, hier sank die Zahl der offenen Stellen sogar um 27 Prozent.

Zwar droht angehenden Ingenieuren deswegen noch lange nicht reihenweise Langzeitarbeitslosigkeit. Doch allein die Gefahr eines negativen Signals an künftige Studienanfänger schreckt Fachleute auf. Die Erinnerung an den „Schweinezyklus“ der 90er-Jahre sitzt tief: Verstärkt durch eine restriktive Einstellungspolitik im Abschwung kam es zu einer Ingenieursschwemme. In der Folge ging das Interesse an technischen Studiengängen stark zurück. Und als die Betriebe wieder händeringend Ingenieure suchten, fiel – zeitversetzt – die Absolventenzahl auf ein Tief.

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