Arbeitsniederlegung in Rüsselsheim - GM-Werke rangeln um Produktion
Standortstreit um Fertigung des Opel-Zafira verschärft sich

Im Konflikt um die künftige Fertigung des Opel-Zafira ist der Ton zwischen Belegschaft und Management rauer geworden: Mit einer rund einstündigen Arbeitsniederlegung haben mehrere Tausend Beschäftigte in Rüsselsheim für eine bessere Auslastung des Stammwerks demonstriert.

hz FRANKFURT/M. Anlass für die Protestaktion, zu der IG Metall und Betriebsrat aufgerufen hatten, ist die sich abzeichnende Standortentscheidung über ein geplantes zweites Standbein für die Zafira-Fertigung zwischen Rüsselsheim und dem polnischen Gleiwitz. Entgegen anders lautenden Medienberichten über einen Zuschlag für Gleiwitz sei noch keine Entscheidung gefallen, betonte Opel-Chef Carl-Peter Forster noch unlängst.

Die deutsche Tochtergesellschaft des US-Autokonzerns General Motors (GM) will einen Teil der Produktion des neuen Zafira wegen der erwarteten großen Nachfrage nach dem Astra-Caravan ab 2006 aus dem Bochumer Opel-Werk auslagern. Neben dem Stammwerk in Rüsselsheim ist für die kommende Zafira-Produktion aber auch das polnische Opel-Werk Gleiwitz im Gespräch, das mit deutlich niedrigeren Lohnkosten aufwarten kann als die Deutschen. Rüsselsheim ist dagegen das modernste GM-Werk in Europa und ist derzeit nur zu rund 60 Prozent ausgelastet.

„In Gliwice müssten etwa 1 000 Beschäftigte neu eingestellt werden, während in Rüsselsheim weiterhin ein Personalüberhang besteht“, kritisierte Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz. Er forderte das Management auf, „eine rationale und keine politische Entscheidung zu treffen“. Doch der Wind aus der Konzernzentrale in Detroit weht den Deutschen derzeit ins Gesicht: Einen

Tag zuvor hatte GM-Konzernchef Rick Wagoner abermals die hohen Kosten am Standort Deutschland beklagt.

Die Standortdebatte erfolgt zu einer Zeit, in der der größte Autokonzern der Welt vor einer grundlegenden Neuorganisation seines gesamten Europageschäftes steht. Der neue GM-Europachef Fritz Henderson, der sein Amt erst am 1. Juni antrat, soll nach jahrelangen Verlusten mit harten Schnitten die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schaffen. Dafür sollen künftig die weitgehend unabhängigen GM-Marken von einer starken zentralen Organisation operativ an die Leine genommen und die Flexibilität in der Produktion deutlich erhöht werden. Am Ende soll ein Saab auch auf den Bändern bei Opel – und umgekehrt – gebaut werden können.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist offenbar bereits getan: Laut schwedischen Medienberichten soll der Nachfolger des Spitzenmodells Saab 9.5 ab 2008 in Detroit gebaut werden. Wagoner hatte bereits im Herbst im Interview mit dem Handelsblatt angekündigt, dass neue Fahrzeuge der Schweden künftig auch „made in USA“ gefertigt würden. Saab produziert bislang nicht im Dollarraum, obwohl Nordamerika sein wichtigster Auslandsmarkt ist.

Der Rüsselsheimer Autohersteller Opel der rund 80 Prozent des GM-Europageschäfts liefert, soll indes künftig eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Mittelklassemodellen für den gesamten US- Konzern übernehmen, wie Forster bereits ankündigte. Wagoner musste jedoch einräumen, dass sich GM inzwischen nicht mehr sicher ist, ob der Konzern 2004 - wie geplant - im Europageschäft mit seinen Marken Opel, Vauxhall und Saab nach einem Verlust im Vorjahr wieder Gewinn schreibt.

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