Arbeitsplätze sind bei Volkswagen so wichtig wie Gewinne
Hintergrund: Konsens stand bei VW immer im Vordergrund

Zum ersten echten Streik in der Geschichte von Europas größtem Autokonzern will es eigentlich keine der beiden Seiten kommen lassen. Schließlich haben Management, Betriebsrat und Gewerkschaft die Krisen immer einvernehmlich gelöst.

FRANKFURT. „Co-Management“ nennt es Personalvorstand Peter Hartz, „kooperative Konfliktbewältigung“ heißt die Tradition bei den Arbeitnehmervertretern. Diese einvernehmliche Tarifpolitik, die „Unternehmen wie Arbeitnehmer fair an den Erfolgen beteiligt“, wie es der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh formuliert, hat ihre Wurzeln im historisch starken Selbstbewusstsein der VW-Beschäftigten. Denn das Unternehmen VW, darauf hat kürzlich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hingewiesen, wurde mit „von den Nationalsozialisten geraubtem Vermögen der Gewerkschaften“ gegründet. Darauf gründet der Anspruch der Arbeitnehmer mitzureden und mitzuregieren.

Es ist auch der Grund, warum die Briten VW 1949 anders als andere Autobauer in die Treuhänderschaft der gerade gegründeten Bundesrepublik übergeben haben und das Land Niedersachsen mit der Kontrolle beauftragten. Niedersachsen ist bis heute mit rund einem Fünftel der Aktien größter VW-Anteilseigner mit dominierendem Einfluss.

In diesem Umfeld eines „Quasi- Staatsunternehmens“ entwickelte sich die Philosophie, dass Gewinne und der Erhalt von Arbeitsplätzen gleichberechtigte Unternehmensziele sind. Sie begründen das ganz „besondere Verhältnis zwischen VW und den Gewerkschaften“, das der niedersächsische IG-Metall-Chef Hartmut Meine durch die aktuelle Tarifauseinandersetzung in Gefahr sieht.

Das konsensorientierte Verhältnis ist fast so alt wie VW, denn bereits im November 1945, gerade mal ein halbes Jahr nach der Kapitulation, wurde in Wolfsburg der erste VW-Betriebsrat demokratisch gewählt. Sein Einfluss war allerdings begrenzt, zumal über dem Werk das Damoklesschwert der Demontage schwebte. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten VW-Käfer nach den Plänen von Ferdinand Porsche gefertigt, die die Deutschen schon vor dem Krieg nach den Ankündigungen Adolf Hitlers zu einem Volk von Autofahrern machen sollten. Hitlers Ziel wurde von ihm selbst korrigiert, denn noch bevor die Produktion richtig startete, wurde VW in die Kriegsproduktion gedrängt.

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