Arbeitstreffen
Berlin und Paris bei Elektromobilität auf Tuchfühlung

Deutschland und Frankreich suchen nach einer gemeinsamen Strategie beim Thema Elektromobilität. Im Bundeswirtschaftsministerium trifft sich daher am Montag erstmals eine deutsch-französische Arbeitsgruppe, die das Thema voran bringen soll. Allerdings gibt es dies- und jenseits des Rheins unterschiedliche Interessen.

BERLIN. Teilnehmer des Treffens sind neben Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann und seinem französischen Amtskollegen Luc Chatel auch Spitzenmanager der Unternehmen Volkswagen, Daimler, BMW, Renault, PSA Peugeot Citroen, Bosch und Eon. Die Teilnehmer wollen sich auf bestimmte technische Standards festlegen, um den großflächigen Einsatz von batteriebetriebenen Fahrzeugen nicht durch einen langwierigen Kampf unterschiedlicher Systeme zu behindern. Die Tagesordnung sieht ferner vor, dass sich Deutschland und Frankreich in ihrer Förderpolitik abstimmen. Nachdem Hickhack um die französischen Hilfen für die Autoindustrie über sechs Mrd. Euro sollen neue Subventionsstreitigkeiten im Ansatz vermieden werden. Darüber hinaus soll die Gruppe eine Bestandsaufnahme machen, welche Kooperationen bei E-Autos es zwischen beiden Ländern gibt. "Das ist schnell erledigt, es gibt keine", heißt es bei Renault.

Ziel sei es indes nicht, mit Staatsdruck die Autokonzerne zu gemeinsamen Projekten zu bewegen, heißt es in Teilnehermkreisen. Vielmehr sollen die Partner sich auf Rahmennormen für E-Autos einigen, den dann jeder Hersteller mit eigenen Produkten füllen soll. Die Arbeitgruppe soll ihre Ergebnisse beim nächsten deutsch-französischen Ministerrat im November präsentieren, heißt es in den Einladungsunterlagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatten sich beim vergangenen deutsch-französischen Ministerrat im März in Berlin auf die Einrichtung der Industrie-Arbeitsgruppe geeinigt.

Beim Thema Normung gibt es bereits erfolgversprechende Ansätze. So hatte der RWE-Konzern erst kürzlich auf der Hannover-Messe einen standardisierten Stecker vorgestellt, der das Laden von Elektrofahrzeugen grenzüberschreitend ohne lästige Adapter möglich machen soll. RWE hat sich nach eigenen Angaben bereits mit den 20 größten europäischen Energieversorgern und Automobilherstellern auf diesen Stecker geeinigt. Genormter Industriestandard ist der Stecker damit allerdings noch nicht. Genau das soll er aber möglichst kurzfristig werden.

Der europäische Einheitsstecker für Elektroautos ist nur ein Mosaikstein im angestrebten System der Elektromobilität. Allerdings gibt es Grenzen der Vereinheitlichung. So verfolgen die Unternehmen beispielsweise hinsichtlich der Stromspeichertechnik unterschiedliche Konzepte. "Bei den Batterien hört es mit der Gemeinsamkeit auf. Da stehen deutsche Hersteller in Konkurrenz zu den Franzosen", heißt es in Branchenkreisen.

Batteriebetriebene Fahrzeuge sollen die Kohlendioxidbilanz der europäischen Fahrzeugflotten verbessern. Gerade in Frankreich sieht man in dieser Hinsicht große Potenziale, weil über 90 Prozent des Stroms in Kernkraftwerken und somit kohlendioxidfrei produziert werden. Deutsche Autohersteller dagegen wollen noch möglichst lange ihren Wettbewerbsvorteil bei besonders effizienten Verbrennungsmotoren ausnutzen. Sie haben daher keine so große Eile beim Thema Elektromobilität. Bei Benzin-Motoren sehen sie die Möglichkeit, die Effizienz um 25 Prozent zu steigern, bei Diesel-Motoren liegt das Potenzial bei 30 Prozent.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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