Arbeitszeit-Modell in Stahlsparte
Thyssen-Krupp: Kürzere Arbeitszeit, mehr Mitarbeiter

Bei Thyssen-Krupp Steel, der Stahlsparte des Mischkonzerns, sind die Beschäftigten bis 2013 vor betriebsbedingten Kündigungen sicher. Es werden sogar sofort 500 neue Stellen geschaffen. Das alles wurde möglich durch eine minimale Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

HB DÜSSELDORF. Der Vorstand der Konzernsparte und der Arbeitgeberverband Stahl einigten sich mit dem Betriebsrat und der IG Metall auf eine Senkung der Wochenarbeitszeit um 1 auf 34 Stunden ab Oktober. Nach den Plänen, die am Mittwoch den Belegschaften in Duisburg und anderen Werken vorgestellt wurden, gibt es nur für die ersten zwei Jahre und nur teilweise einen finanziellen Ausgleich dafür. Das Geld soll aber nicht vom Lohn, sondern von der Gewinnbeteiligung abgezogen werden. Sollte ein Gewinn ausbleiben, werde das Weihnachtsgeld gekürzt. „Im Durchschnitt sind das 50 bis 80 Euro brutto im Monat“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Willi Segerath. „Das ist ein sehr fairer Interessenausgleich“, betonte er.

Im Gegensatz zu einem reinen Kostensenkungsprogramm profitierten die Beschäftigten und das Unternehmen gleichermaßen. „Hätten wir das nicht gemacht, hätten bis 2013 zwischen 1 000 und 1 300 betriebsbedingte Kündigungen gedroht.“ Sie seien nun vom Tisch. Das Unternehmen hatte vor Beginn der Beratungen vor rund zwei Jahren der IG Metall zufolge mit einem „massiven Personalabbau“ gedroht. Die Konzernsparte hat 18 000 Beschäftigte.

Thyssen-Krupp-Steel-Arbeitsdirektor Dieter Kroll sprach von einem wichtigen Schritt zur Verjüngung der Belegschaft. „Mit diesem Tarifvertrag schaffen wir den Spagat zwischen der demographischen Entwicklung und dem mittelfristigen Personalbedarf des Unternehmens“, sagte er. Derzeit liege der Altersdurchschnitt der Belegschaft bei 44 Jahren. „Wenn wir jetzt nicht handeln, liegt das Durchschnittsalter im Jahr 2020 bei 55 Jahren“, rechnete Kroll vor. 500 Beschäftigte könnten in Altersteilzeit gehen und 1 000 Auszubildende würden übernommen. Seit der Fusion der Stahlgesellschaften Thyssen und Krupp 1997 seien nur etwa 400 von 2 500 Auszubildenden weiter beschäftigt worden.

Kroll zufolge heben sich die Einsparungen durch den Lohnverzicht sowie durch die Beschäftigung jüngerer Mitarbeiter und die Mehrausgaben für Altersteilzeit auf. „Wir sparen nichts dabei“, sagte er.

Der IG Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen, Detlef Wetzel, verwies darauf, dass der Konzern keine hohen Abfindungen an betriebsbedingt Gekündigte zahlen muss. Aber auch Wetzel betonte, dass alle Seiten sehr zufrieden sein könnten. „Die Vereinbarung ist ein Riesen-Meilenstein zur Sicherung der Beschäftigung“, betonte er.

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