Arcelor kündigt kräftige Aufschläge ab Oktober an – „Katrina“ löst Preissprung in den USA aus
Europas Stahlhersteller wollen mehr Geld sehen

Der größte europäische Stahlproduzent Arcelor mit Sitz in Luxemburg hat für das vierte Quartal eine Erhöhung der Flachstahlpreise angekündigt. Der Aufschlag für sofortige Lieferungen werde deutlich zweistellig ausfallen, aber geringer als die jüngsten Preiserhöhungen in den USA, sagte Konzernchef Guy Dollé in einem Zeitungsinterview. Einige US-Konkurrenten hatten die Flachstahlpreise zum 1. September um 60 Dollar pro Tonne heraufgesetzt.

mjh DÜSSELDORF. Arcelor ist das erste europäische Unternehmen, das nach einer mehrmonatigen Talfahrt der Stahlpreise versucht, eine Trendwende herbeizuführen. Seit dem Höchststand im vierten Quartal 2004 sind die Spotpreise für Lieferungen innerhalb des europäischen Binnenmarktes bis Anfang August um 28 Prozent gefallen, zugleich mussten die Unternehmen stark steigende Rohstoffkosten verkraften, was die Gewinnmargen schmälerte.

„Arcelor hat im dritten Quartal die Spotpreise für Qualitätsflachstahl um 80 bis 90 Euro pro Tonne zurücknehmen müssen“, sagt Stahlanalyst Hermann Reith von BHF-Bank in Frankfurt. Die jetzt angekündigte Preiserhöhung würde demnach die jüngsten Einbußen nur etwa zur Hälfte ausgleichen.

Arcelor und der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp sind allerdings nur in einem vergleichsweise geringen Umfang vom Rutsch der Spotpreise für Qualitätsflachstahl betroffen. Die wichtigsten Kunden dafür sind die Automobilhersteller, mit denen die Stahlproduzenten Ein- oder Mehrjahreskontrakte zu Festpreisen abschließen. Bei Thyssen-Krupp etwa entfällt auf dieses Geschäft ein Anteil von 65 Prozent.

Branchenbeobachter erwarten, dass andere Unternehmen nun zunächst die Marktreaktionen auf den Vorstoß Arcelors abwarten und dann dem Beispiel folgen werden. Thyssen-Krupp und Salzgitter haben allerdings noch nicht über Preiserhöhungen im vierten Quartal entschieden, sagten Sprecher beider Unternehmen.

Stahl könnte auch als Folge des Wirbelsturms „Katrina“ teurer werden. Sollte New Orleans tatsächlich wieder aufgebaut werden, dann dürften dafür Mengen benötigt werden, die dasPreisniveau insgesamt anheben, sagte Thyssen-Krupp-Vorstand Ulrich Jaroni der Nachrichtenagentur Reuters. Von einem solchen Kraftakt würden nicht nur die US-Hersteller profitieren. Sollte es zu einem groß angelegten Wiederaufbau kommen, werde so viel Stahl benötigt, dass dadurch der Stahlpreis weltweit anziehen dürfte.

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