ARD-Magazin deckt auf
Umstrittene Stoffe in weichen Hüllen

Konsumenten werden abgezockt, krank gemacht und von der Industrie in die Irre geführt. Geschichten dieser Art spürt das TV-Magazin Plusminus gerne auf und schlägt im ARD-Abendprogramm Alarm. In dieser Woche wurden die Pharmahersteller zur Zielscheibe, deren Dragees zum Teil den gesundheitsschädlichen Weichmacher Dibutylphthalat (DBT) enthalten.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. EU-Grenzwerte sollen um das 63-fache überschritten worden sein. In Babyartikeln, Kosmetika und Spielzeug ist der Stoff mittlerweile verboten. Das Morgenmagazin berichtete vorab über das Thema, das ursprünglich vom Magazin „Öko-Test“ ausgegraben wurde. Seitdem rufen besorgte Patienten bei den Konzernen an, belegen die Telefonleitungen. Die Kommunikationskrise trifft die Unternehmen unerwartet. Das Markenimage vieler Medikamente, oft über Jahre sorgfältig aufgebaut, ist gefährdet.

„Jetzt darf keinesfalls der Anschein erweckt werden, die Manager der betroffenen Unternehmen wollten unliebsame Fakten vertuschen“, sagt Hartwin Möhrle, Buchautor und geschäftsführender Partner der Kommunikationsagentur Ahrens & Bimboese. Damit würde man den Kommunikationsschaden nur erhöhen. Gleichzeitig warnt er aber auch vor Panikreaktionen. Eine erste Botschaft könnte seiner Empfehlung nach lauten: „Wir kümmern uns um das Thema, nehmen es ernst und überprüfen die Fakten.“

Im Vergleich zu anderen Herstellern reagierte der Pharmahersteller Pohl-Boskamp schnell auf die Krise. Auch das dort produzierte Erkältungsmittel Gelomyrtol enthält den umstrittenen Weichmacher. Nachdem das Unternehmen durch die telefonische Anfrage der Plusminus-Redaktion vorgewarnt war, stellte die Presseabteilung eine Stellungnahme auf die Webseite des Unternehmens und berief sich auf die oberste Zulassungsbehörde für Medikamente (BfArM).

Die sieht „keinen akuten Handlungsbedarf“. DBT führe zwar im Tierversuch zu Organschäden und Fehlbildungen bei Ungeborenen. Bei der Herstellung von Medikamentenkapseln, die der Magensäure standhalten, sei die Dosierung des Stoffs allerdings nach derzeitigem Kenntnisstand unbedenklich.

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