Areva
Nervenkrieg um den größten Atomreaktor der Welt

Der Atomtechnikkonzern Areva verschärft den Streit mit Finnland um den Bau des ersten europäischen Druckwasserreaktors (EPR). Nach Milliardenklagen und etlichen Bauverzögerungen gehen die Franzosen nun in die Offensive. Die Konzernspitze droht: Sollten die Finnen ihre Bedingungen nicht akzeptieren, werde der Bau gestoppt.

HB PARIS. Der weltgrößte Atomtechnikkonzern Areva verschärft den Streit mit Finnland um den Bau des ersten europäischen Druckwasserreaktors (EPR). Nach Milliardenklagen formuliert der französische Konzern, an dem auch Siemens noch beteiligt ist, jetzt die ultimative Drohung: man könne den Bau des Prestigeprojekts auch stoppen. Dabei geht es nicht nur darum, den jetzt schon auf 2,3 Milliarden Euro bezifferten Verlust mit dem Pilotprojekt nicht noch weiter ausufern zu lassen. Es geht auch um die Marktchance des mit Siemens entwickelten vermeintlichen Verkaufsschlagers EPR.

Ursprünglich sollte der Reaktor mit einer Leistung von 1600 Megawatt an der finnischen Westküste drei Milliarden Euro kosten. Und er sollte schon seit Juli Strom in die Netze der Teollisuuden Voima Oy (TVO) einspeisen. Jetzt wagt Areva nicht einmal mehr, die Endkosten und eine Übergabe 2012 zu bestätigen.

Sechs Mal hat Areva seit Anfang 2005 bereits Geld für Verluste mit dem Reaktor zurückgelegt. Im ersten Halbjahr 2009 waren es 550 Millionen Euro. Prompt schmolz der Konzerngewinn von 760 auf 161 Millionen Euro zusammen.

Was läuft falsch beim EPR, den die Franzosen weltweit zu einem Rückgrat der Atomwirtschaft machen wollen? Die Finnen sind schuld, heißt es lapidar bei Areva. TVO benötige zur Bearbeitung von Dokumenten elf statt zwei Monate. Vereinbarungen würden nicht eingehalten. Das mache auch Kosten und Fristen für die ausstehenden Arbeiten unsicher. Am EPR, schwört Areva, liege es nicht.

TVO sieht das anders: Areva und Siemens hätten die Verzögerungen zu verantworten. Die Finnen verlangen deshalb sogar von den Konsortialpartnern 2,4 Milliarden Euro Schadenersatz. Areva und Siemens fordern umgekehrt eine Milliarde Euro von TVO.

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