Areva
Peinliche Posse um Kapitalerhöhung

Frankreichs Präsident Sarkozy sortiert Investoren aus und verzögert damit die nötige Geldspritze. Mit potenziellen Kapital-Gebern droht deshalb ein Streit. Beobachter sprechen dem Staat die Verantwortung für die gescheiterte Kapitalerhöhung zu.
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PARIS. Frankreichs Nuklear-Holding Areva wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wie geplant bis Ende des Jahres ihr Kapital erhöhen können. Entsprechende Presseberichte bestätigten gestern Industriekreise: "Der Horizont hat sich sehr verfinstert", hieß es aus den Kreisen.

Hintergrund sind Streitigkeiten mit einem potenziellen Geldgeber, dem Staatsfonds Katar, sowie ein Veto von Frankreichs Staatsspitze gegen Mitsubishi Heavy Industries (MHI) als neuer Areva Areva-Aktionär. wollte nichts dazu sagen, Regierungssprecher François Baroin erklärte gestern lediglich, dass die Regierung weiter an einer Teilprivatisierung Arevas arbeite.

Seit anderthalb Jahren schon werkeln der staatliche Großaktionär (93 Prozent Anteil) und Areva an der Kapitalerhöhung, die 1,5 bis drei Milliarden Euro schwer sein soll. Als Geldgeber waren bisher der kuwaitische Staatsfonds, der Staatsfonds des Emirats Katar sowie der japanische Industriekonzern Mitsubishi Heavy Industry (MHI) im Gespräch.

Doch jetzt sperrt sich Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy plötzlich dagegen, dass MHI neuer Areva-Aktionär wird. Er folgt damit offenbar den Bedenken von Alstom-Chef Patrick Kron: Der wetterte offen dagegen, dass sich mit MHI einer seiner Konkurrenten an Frankreichs Atom-Champion beteiligen dürfe.

Der katarische Staatsfonds forderte plötzlich, seine geplante Areva-Beteiligung in eine Beteiligung an Arevas Uran-Minen eintauschen zu können. Doch diese Minen sieht Frankreich als strategisch an und lehnte das Ansinnen ab. Die Suche nach frischem Kapital für Areva wird damit zu einer Industrie-Posse. Sie wirft ein Schlaglicht darauf, wie ungelenk Frankreichs Regierende mit dem strategisch wichtigen Nuklearsektor umgehen. Von der Gründung einer schlagkräftigen "Equipe de France" der Kernkraft ist das Land weit entfernt.

Finanziell kann Areva den neuen Rückschlag erst einmal verkraften. Das Unternehmen hat über den Verkauf seines Stromtransport-Geschäfts, der Veräußerung der Aktien am Industriekonzern Safran sowie durch die Emission neuer Anleihen 5,5 Milliarden Euro eingenommen. Doch langfristig braucht Areva frisches Geld, um sein Wachstum zu finanzieren. An diesem Wochenende will Sarkozy nach Indien reisen, und hofft dabei auf den Verkauf von Arevas EPR-Reaktoren.

Beobachter sprechen dem Staat ein großes Maß an Verantwortung für die gescheiterte Kapitalerhöhung zu. Die Arbeiten daran waren bereits weit gediehen, als der ehemalige EDF-Chef François Roussely im Sommer im Auftrag des Staates seinen Bericht zur Neuordnung des Atomsektors vorlegte. Roussely schlug darin vor, dass der Stromriese EDF künftig im Atomsektor das Sagen haben solle.

Sarkozy machte sich die Schlussfolgerungen zu eigen und forderte, dass EDF auch als Großaktionär bei Areva einsteigen solle. Mit dieser Idee wirbelte der Staatschef die alten Pläne zur Kapitalerhöhung durcheinander. Nun legte Sarkozy nach und schoss die japanische MHI aus dem Kreis der potenziellen Geldgeber. Alternativen sind aber bisher nicht in Sicht.

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