Areva-Tochter
Noch mehr nationale Champions in Frankreich

Frankreich wählt auch beim Verkauf der Areva-Sparte Stromtransporte eine französische Lösung. Der Atomkonzern verhandelt nur noch mit einheimischen Interessenten. Das entspricht der Politik von Präsident Sarkozy, die Kritiker als Wirtschaftsprotektionismus ablehnen. Was die Entscheidung für Areva bedeutet.
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PARIS. Der französische Atomkonzern Areva will seine Stromtransportsparte T&D (Transmission & Distribution) an französische Käufer abgeben. Areva tritt in exklusive Verhandlungen mit dem Konsortium aus dem Anlagenbauer Alstom und dem Elektronikkonzern Schneider Electric über den Verkauf seiner Tochter, teilte Areva mit. Die Übernahme soll einen Wert von 4,09 Milliarden Euro haben.

Damit hat sich Frankreich für eine rein französische Lösung entschieden, ausländische Mitbewerber sind aus dem Rennen. Der französische Staat, der mit über 90 Prozent an Areva beteiligt ist, begrüßte die Entscheidung, die Areva-Chefin Anne Lauvergeon zunächst abgelehnt hatte. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es: "Das Angebot von Alstom und Schneider Electric ist im besten Interesse für die Arbeitsplätze bei Areva und die industrielle Entwicklung."

Die Entscheidung gegen ausländische Investoren bestätigt die Politik von Präsident Nicolas Sarkozy, strategisch wichtige Unternehmen in Frankreich zu halten und sie zu nationalen Champions auszubauen.

Die Verhandlungen zogen sich ein halbes Jahr hin

Analysten sehen die Transaktion positiv. Patrice Lambert de Diesbach von CM-CIC-Securites betonte: "Der Staat zieht es vor, eher den Vorwurf des wirtschaftlichen Patriotismus hinzunehmen als den, französische Interessen zu verramschen." Und in der Krise sei der richtige Zeitpunkt für diese Denkweise.

Alle Aktien stiegen anfangs stark an, Alstom mit 4,6 Prozent auf fast 49 Euro. Areva legte unter ein Prozent zu, Schneider um über drei Prozent.

Höheres Angebot von Toshiba ausgeschlagen

Seit einem halben Jahr wird über die Stromtransportsparte verhandelt, die Schaltfelder, Transformatoren und schlüsselfertige Netzstationen zur Stromübertragung- und Verteilung herstellt. Neben Alstom und Schneider hatten sich der US-Mischkonzern General Electric und der Japaner Toshiba dafür beworben.

Das Angebot von Toshiba soll über der französischen Lösung gelegen haben. Dennoch hat der Wirtschaftpatriotismus über rein finanzielle Kriterien gesiegt. Das Duo Alstom-Schneider bietet 2,29 Milliarden Euro für T&D, doch mit den Verbindlichkeiten kommt das Angebot auf 4,09 Milliarden Euro. Sie mussten im Laufe der Verhandlungen noch aufstocken. Denn laut Medienberichten soll Toshiba mit 4,2 Milliarden Euro das höchste Gebot abgegeben haben. General Electric lag bei vier Milliarden Euro.

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