Argentinien und Brasilien
Protektionismus auf Kosten der Auto-Konzerne

Aus Mexiko kommen überwiegend die schweren Karossen für Nordamerika, aus Argentinien und Brasilien die Kleinwagen. Doch diese Arbeitsteilung ist nun wegen des Protektionismus der beiden Länder in Gefahr.
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Sao PauloSorgen bereitet den Autobauern in Lateinamerika nicht nur der zunehmende Protektionismus Brasiliens gegenüber Mexiko - auch Argentinien versucht zunehmend, seine Industrie auf Kosten der Nachbarn zu schützen: Das Land hat wie zuvor schon Brasilien das Pkw-Abkommen mit Mexiko gekündigt, jetzt muss jeder Import einzeln genehmigt werden. Das betrifft vor allem Automobilbauer, die auf Einfuhren für ihre Produktion angewiesen sind.

Der Ausfall eines importierten Teils hat nun auch schon mehrfach die Bänder von Auto- und Lkw-Herstellern wie Fiat, Volkswagen oder Mercedes zum Stehen gebracht. Fiat und Renault schickten bereits Teile ihrer Belegschaften in die Betriebsferien.

Bisher verließen sich die Fahrzeughersteller in Brasilien und Argentinien auf ihre starke Rolle als Schlüsselindustrie. Außerdem schützt sie das Automobilabkommen der Wirtschaftsgemeinschaft aus Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay (Mercosur) vor Handelsbeschränkungen. Doch das Abkommen läuft 2013 aus. Die Sorge der Manager ist nun, dass die Arbeitsteilung in der Mercosur-Zone wegen politischer Differenzen gestört werden könnte - das wäre fatal. Denn in Südamerika hat die Automobilindustrie seit dem Start des Mercosur 1991 eine bisher reibungslos funktionierende Wertschöpfungskette aufgebaut - vermutlich die einzige erfolgreiche überregionale Branchenintegration in Lateinamerika.

Höheres Pro-Kopf-Einkommen als in asiatischen Staaten

Für die Autobauer öffnete das Mercosur-Abkommen einen Markt für rund 250 Millionen Menschen - die über ein deutlich höheres Pro-Kopf-Einkommen verfügen als etwa die Asiaten. Ab Mitte der 90er-Jahre wurden Argentinien und Brasilien für europäische Kfz-Hersteller deshalb zu einem der wichtigsten Investitionsstandorte außerhalb der Heimatmärkte. Ausländische Autobauer und Zulieferer errichteten in Südamerika in einer halben Dekade 53 neue Fabriken. Seitdem tummeln sich auf Südamerikas Automarkt neben den dort lange dominanten Herstellern Volkswagen, Ford, General Motors und Fiat weitere 14 Hersteller. Jetzt will ein weiteres halbes Dutzend Autobauer in Südamerika mit eigenen Werken antreten.

Brasilien und Argentinien sind "europäische" Modellmärkte. Selbst US-Konzerne wie GM oder Ford produzieren dort fast nur Modelle, die in ihren europäischen Filialen (Opel in Rüsselsheim oder Ford in Köln) entworfen wurden. Die großen Limousinen von GM, Ford, Chrysler oder Dodge verkaufen sich dort nicht. Grund: Die Kaufkraft ist niedriger als in Nordamerika. Auch das teurere Benzin trägt dazu bei, dass schwere Karossen in Brasilien und Argentinien meist Ladenhüter sind.

So profitierten die Firmen bis vor kurzem von der Arbeitsteilung mit Mexiko: Die dort für die USA produzierten größeren Modelle ergänzten perfekt die kleineren Pkw der brasilianischen und argentinischen Modellpalette - und umgekehrt. Nun ist es der neue Protektionismus gegenüber Mexiko, der diese perfekte Harmonie stört.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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