Arno Wilfert ist Telekomexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little
Experten-Interview: „Sanierung von SBS ist schwierig“

Arno Wilfert, Telekomexperte der Unternehmensberatung Arthur D. Little, zweifelt an der Sanierungsfähigkeit von Siemens's Problemsparten. Lesen Sie im Interview, warum.

Herr Wilfert, seit Jahren kriselt es bei dem IT-Dienstleister Siemens Business Service (SBS). Was muss geschehen?

Es gibt nur die Möglichkeit zu sanieren oder zu verkaufen. Eine Sanierung ist schwierig, weil der Wettbewerb auf dem Markt sehr intensiv ist. Preise und Margen sind sehr niedrig. Das Problem kann man nur lösen, wenn man die eigenen Kosten massiv senkt. Aber das ist für einen Großkonzern wie Siemens schwer. Zudem SBS international längst nicht so gut aufgestellt wie im Inland.

Sie halten SBS also für einen Übernahmekandidaten?

Ja. Die Sparte ist interessant für Unternehmen, die einen starken Zugang zum deutschen Markt suchen. Dafür kommen zum Beispiel Amerikaner wie EDS oder Perot Systems in Frage.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Telekommunikationssparte. Was läuft da schief?

Die Krise hat vor allem drei Gründe: Zum einen hat der Markt während des Booms Ende der Neunziger Jahre viele Überkapazitäten aufgebaut, die bis heute fortbestehen. Zum anderen drücken Konkurrenten aus China aggressiv auf die Preise. Der dritte Punkt ist der Technologiewandel, auf den Siemens nicht rechtzeitig reagiert hat.

Was haben die Münchner denn verschlafen?

Etwa den Wandel zu Produkten, die auf dem Internet-Protokoll basieren. Der führt dazu, dass man weniger und andere Geräte braucht, als Siemens sie anbietet. Kunden wollen heute Router für drahtlose Internet-Verbindungen und keine Switches mehr.

Wie könnte Siemens nachlegen?

Wahrscheinlich lässt sich das Thema nur über Zukäufe in den Griff kriegen. Kleinfeld hat nicht genug Zeit, um abzuwarten, bis er mit eigenen Entwicklungen auf die nächste Technologie-Welle aufspringen kann.

Wen sollte Kleinfeld kaufen?

Um in das Router-Geschäft einzusteigen, ist es wahrscheinlich schon zu spät. Deswegen muss er sich bei neuen Technologien umschauen, die bald starten – etwa mobiles Fernsehen oder Wimax, einer Technologie, die ebenfalls drahtlosen Internet-Zugang ermöglicht. Durch die Übernahme eines kleineren Unternehmens könnte sich Siemens frühzeitig Know-How zu sichern.

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