Arvato macht gute Gewinne und treibt Verhandlungen mit Springer und Gruner+Jahr voran
Bertelsmann-Tochter erwartet baldige Tiefdruck-Fusion

Die Druck- und Logistiktochter des Medienriesen Bertelsmann, Arvato, erwartet in den nächsten sechs Wochen einen Durchbruch in den Verhandlungen um die Gründung des größten Tiefdruckkonzerns in Deutschland. Seit Monaten verhandelt der Mediendienstleister mit dem Bertelsmann-Verlagshaus Gruner+Jahr (G+J) und dem Zeitungskonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) über eine Zusammenlegung ihrer auf fünf Standorte in Deutschland verteilten Tiefdruckereien. „Ich bin sehr optimistisch“, sagte Arvato-Vorstandschef Hartmut Ostrowski dem Handelsblatt.

GÜTERSLOH. Mit der Zusammenlegung würde ein neuer Branchengigant mit mehr als 4 700 Mitarbeitern entstehen. Die Gründe für das Zusammenrücken sind vor allem der wachsende Kostendruck, die Rezession auf dem Werbemarkt sowie die Billig-Konkurrenz aus Osteuropa. Die Gespräche seien kompliziert, heißt es in Verhandlungskreisen. Ein Grund dafür ist, dass der 25,1 %ige G+J-Minderheitsaktionär, die Hamburger Verlegerfamilie Jahr, ihren Einfluss auf den Druckbereich des Hamburger Printkonzern gefährdet sieht. Erst vor wenigen Tagen gab es eine neue Verhandlungsrunde mit der Jahr-Familie. Zu den Ergebnissen haben die Verhandlungsteilnehmer Stillschweigen vereinbart. Gruner + Jahr lehnte gestern eine Stellungsnahme ab.

Wenn es nach dem Willen von Bertelsmann geht, soll Arvato die unternehmerische Führung übernehmen. Entschieden ist offenbar aber noch nichts. G+J verfügt in Itzehoe und Dresden über Tiefdruckereien, Springer in Ahrensburg (bei Hamburg) sowie Darmstadt, und Arvato in Nürnberg.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Arvato einen Umsatz von 3,539 Mrd. Euro. Davon entfallen alleine auf den Druckbereich 1,599 Mrd. Euro. Europas größter Druckkonzern sieht trotz großen Kostendrucks Möglichkeiten zur Expansion. Wie der Arvato-Chef ankündigte, werde die Errichtung einer Druckerei in England für einen dreistelligen Millionen-Pfund-Bereich geprüft. Vorstandsmitglied Stephan Krauss berichtete von zwei möglichen Standorten. Bereits in diesem Jahr könnte der Grundstückserwerb erfolgen. In rund zweieinhalb Jahren würde dann die Tiefdruckerei mit einer Kapazität von 170 000 Tonnen im Jahr starten. „Es gibt eine deutliche Unterversorgung im Tiefdruckbereich“, bilanzierte der 42-Jährige. Der Markt auf der Insel hat der Quasi-Monopolist Bolestar, New Milton-Keynes (bei London), seit vielen Jahren in fester Hand.

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