Arzneimittelhersteller
Keine Qualitätskontrolle für Anwendungsstudien

Wie Anwendungsbeobachtungen idealerweise aussehen müssten, hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem Empfehlungsschreiben festgelegt - wirksame Kontrollmechanismen gibt es jedoch nicht. Warum die Anwendungsbeobachtungen ihren werbewirksamen Ruf nicht loswerden.

FRANKFURT. Rund ein Drittel ihres Umsatzes gibt die Pharmaindustrie aus, um ihre Medikamente an den Patienten zu bringen. Das schließt die Kosten für die Verkaufsmannschaft und die Pharmareferenten ebenso ein, wie Marketingbroschüren und Patienteninformationen. Anwendungsbeobachtungen müssten, um den aktuellen Empfehlungen des Verbandes der Arzneimittelhersteller zu entsprechen, unter die Verantwortung und das Budget der medizinischen Leitung und nicht des Marketings fallen. Soweit die Empfehlungen.

Dass diese Studien auch als absatzförderndes Instrument von der Pharmaindustrie eingesetzt werden, beklagen die Institutionen des Gesundheitswesens immer wieder. Angenommen wird zudem, dass missbräuchlich eingesetzte Anwendungsbeobachtungen letztlich die Kosten für die Gesetzliche Krankenversicherung in die Höhe treiben. Um wie viel, darüber gibt es allerdings auf Seiten der gesetzlichen Versicherung keine Zahlen, wie der neu gegründete GKV-Spitzenverband auf Anfrage des Handelsblatt mitteilt.

Wie Anwendungsbeobachtungen idealerweise geplant, durchgeführt und ausgewertet werden sollen, das hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in einem Empfehlungskatalog festgelegt. Dieser ist auch Grundlage für den Kodex, den sich die Arzneimittelindustrie hierzu gegeben hat. Eine Institution, die über die tatsächliche Qualität von Anwendungsbeobachtungen wacht, gibt es in Deutschland allerdings nicht.

Zwar müssen Anwendungsbeobachtungen bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gemeldet werden. Im vergangenen Jahr beispielsweise wurden 2096 Studien zu 321 Arzneimitteln durchgeführt, etwa so viel wie im Jahr zuvor.

Doch wie viele dieser Studien den Empfehlungen des BfArM entsprechen, darüber sammelt die Kassenärztliche Bundesvereinigung gegenwärtig keine Daten.

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