Arzneimittelhersteller
Merz sucht neue Wachstumsfelder

Das Alzheimermittel Memantine liefert dem Frankfurter Unternehmen Merz Pharma üppige Erträge, bis Mitte des Jahrzehnts dürften die Erlöse die Milliardengrenze klar übersteigen. Die muss die Firma nun nutzen, um das Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen.
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FRANKFURT. Von solchen Wachstumsraten können die meisten Arzneimittelhersteller derzeit nur träumen: Um 14 Prozent auf 673 Mio. Euro steigerte die Frankfurter Merz Pharma GmbH & Co KGAA im letzten Geschäftsjahr ihren Umsatz. Der Betriebsgewinn legte im gleichen Zeitraum um 13 Prozent auf 153 Mio. Euro zu, der Nettogewinn um knapp ein Fünftel auf 106 Mio. Euro. Das mittelständische Familienunternehmen hat damit seine eigenen Ziele deutlich übertroffen und zeichnet sich mit einer operativen Marge von knapp 23 Prozent als der momentan wohl renditestärkste Vertreter der deutschen Pharmaindustrie aus.

Und vorerst wird der Aufschwung noch weitergehen. Bis Mitte des Jahrzehnts dürften die Erlöse die Milliardengrenze klar übersteigen. Für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2011 endet, stellt Geschäftsführer Martin Zügel eine Steigerung des Umsatzes um 15 bis 20 Prozent in Aussicht. Verglichen mit Wachstumsraten von etwa drei bis vier Prozent auf dem globalen Pharmamarkt und stagnierenden oder rückläufigen Erlösen bei den meisten Pharmagroßkonzernen sind das sehr gute Aussichten.

Aber wie bei fast allen Arzneimittelherstellern wird auch bei Merz der Boom nicht ewig währen. Denn er hängt maßgeblich an einem Produkt mit begrenzter ökonomischer Lebensdauer: Das Alzheimer-Medikament Memantine (in Deutschland unter dem Namen Axura auf dem Markt) wird 2014 in Europa und Anfang 2015 in den USA seinen Patentschutz verlieren. Memantine liefert derzeit noch rund die Hälfte des Gesamtumsatzes von Merz und vermutlich mehr als 80 Prozent des Gewinns.

Der Weltumsatz des Alzheimermittels stieg im letzten Geschäftsjahr um ein Fünftel auf gut 1,2 Mrd. Euro, wovon der Löwenanteil bei den Lizenznehmern Forest Labs (USA) und Lundbeck (Dänemark) verbucht wurde. Merz selbst erzielte mit Memantine Erlöse von 348 Mio. Euro, davon mehr als zwei Drittel in Gestalt von Lizenzerlösen - ein Ertragsfaktor, der ab 2015 weitgehend entfallen wird.

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