Arzneimittelkosten
So verschwenderisch ist das Gesundheitswesen

Im deutschen Gesundheitssystem werden jedes Jahr Milliarden von Euro verschwendet. Das zeigt eine Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Besonders teuer: Die falsche Einnahme von Medikamenten.
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DüsseldorfEnorm viel Geld ließe sich im deutschen Gesundheitssystem sparen, wenn Medikamente richtig verordnet und auch eingenommen würden, hat das Marktforschungsinstitut IMS Health ausgerechnet. In einer exklusiv dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegenden Auswertung für Deutschland zeigt sich: Im System könnten so jedes Jahr durchschnittlich 19 Milliarden Euro weniger ausgegeben werden, das sind mehr als sechs Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben von zuletzt 294 Milliarden Euro.

„Das ist ein sehr großes Einsparpotenzial, das unser Gesundheitssystem auf anderem Wege nur mit einer Fülle von Spargesetzen erreichen könnte, die letztlich nicht im Sinne einer guten Gesundheitsversorgung sein können“, sagt Frank Wartenberg, Präsident Zentraleuropa des Marktforschungsinstituts IMS Health.

Dabei geht es nicht nur um reine Arzneimittelkosten, sondern um Ausgaben, die im gesamten System vermieden werden könnten, wenn es beispielsweise weniger Patienten wegen falscher Medikamenteneinnahme ins Krankenhaus eingewiesen werden müssten. Ermittelt hat IMS diese Zahlen auf Basis verschiedener Studien und Krankheitskennzahlen.

Das größte Einsparpotential sieht das Institut beim Thema mangelnde Therapietreue: Patienten nehmen ihre Medikamente nicht wie von Arzt verordnet ein, sie vergessen oder brechen die Einnahme ab. Knapp 13 Milliarden Euro Kosten fallen hier im Jahr durchschnittlich an, rechnet IMS vor. Kosten, die vermieden werden könnten.

Insbesondere bei chronischen Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Asthma ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Therapietreue nicht sehr ausgeprägt. Durchschnittlich nimmt nur jeder Zweite chronisch Kranke seine Medikamente wie verordnet ein.

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  • Jeden Tag werden andere Schwachstellen in unserem Gesundheitssystem aufgedeckt.
    Jetzt bekommen wir eine neue Regierung mit einem neuen Gesundheitsminister.
    Geht nun das ganze so weiter, dann kann doch der letzte ersehen, wer das Gesundheitssystem bestimmt.
    Vermutlich wird es in der GKV bald wieder einen Zusatzbeitrag geben, und in der PKV deftige Tarifsteigerungen. Unseren tatsächlichen Gesundheitsminister "Lobby" genannt lacht sich kaputt. Gesundheitsminister könnte wohl jeder Kasper machen, bei dessen "Entscheidungsmacht".
    Aber sind wir Bürger nicht größtenteils Mitschuld. Haben wir überhaupt ein Kostenbewusstsein.
    In der GKV ist es dem Versicherten doch egal, welche Kosten der Arzt abrechnet. Da ja keiner eine Rechnung bekommt hat man ja gar keine Kontrolle.
    In der PKV wird man schneller behandelt, es kommt aber leider zu oft Zeugs zur Anwendung was in aller erster Linie dem Geldbeutel der Ärzte zugute kommt.
    Im gewissen Sinne hat unser ganzes Gesundheitssystem vorrangig das Ziel der Gewinnmaximierung. Wenn man dann noch hört, mit was da alles Geld gemacht wird, welcher Unsinn angeboten wird, und auf der anderen Seite Todkranken alles verwehrt wird, kann man nur hoffen dass endlich die Geldmacherei unterbunden wird und sich nicht jeder zuerst bereichern kann, ehe den Kranken geholfen wird. Am besten wäre ein Gesundheitssystem das genau definiert was gemacht wird, und was es kostet, ohne die unnützen Leistungen die jeder Turn und Sportverein mit einem geringen Monatsbeitrag anbietet. Warum braucht es hunderte GVK wenn jeder das gleiche anbietet, zu einem gleichen Beitragssatz. Und welche Berechtigung hat die PKV, die GKV Leistungen mit anbietet, aber nur zu Höchstpreisen.
    Deshalb kann es doch nur Wettbewerbsfähige GKVs geben, die sich durch Leistungen und Preise unterscheiden und PKVs doch nur für tatsächliche Mehrleistungen über GKV Niveau hinaus.
    Momentan ist man dumm dran, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort versicherte ist.

  • Bitte die Bundesländer und Landesbanken nicht vergessen.
    Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken kann der Kunde etwas tun: Sich einer Internet-Bank zuwenden. Der Kunde ist nicht zwangsverheiratet, wie in allen anderen Fällen. Bankfilialen sind ein Auslaufmodell, das in zehn Jahren nicht mehr existieren wird.

  • Seit 1964 gibt es ein Abkommen mit der Türkei das besagt, daß über jeden Türken, der in Deutschland lebt seine ganze Familie in der Türkei mit versichert ist, das bezieht sich zum Teil auf ganze Dörfer. Also millionen Krankenversicherte ohne je einen Tag in Deutschland verbracht zu haben, ohne Beiträge, ohne Zuzahlung oder Praxisgebühr für künstliche Hüften, Goldzähne usw. Die Schweiz hat dieses Abkommen 2010 aufgekündigt... wenn Deutschland das auch täte, hätten unsere Kassen womöglich gar keine Probleme mehr

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