Arzneimittelreform: Pharmabranche sieht ihre Exportmargen bedroht

Arzneimittelreform
Pharmabranche sieht ihre Exportmargen bedroht

Die Arzneimittelindustrie ist alarmiert durch die Pläne der Bundesregierung, die bisher nur für gesetzlich Krankenversicherte geltenden Preisabschläge künftig auch Privatpatienten zu gewähren. Denn der deutsche Listenpreis gilt auch als Referenz für andere europäische Länder.
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BERLIN. Die Arzneimittelindustrie ist alarmiert durch die Pläne der Bundesregierung, die bisher nur für gesetzlich Krankenversicherte geltenden Preisabschläge künftig auch Privatpatienten zu gewähren. „Der für das gesetzliche Krankenversicherungssystem verhandelte Erstattungsbetrag wird dadurch faktisch zum deutschen Preis. Das hat erhebliche volkswirtschaftliche Konsequenzen, denn die forschenden Pharma-Unternehmen sind stark im Export, und der deutsche Preis ist Referenzpreis in vielen Ländern dieser Welt“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, Cornelia Yzer, dem Handelsblatt.

Auch beim Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) zeigte man sich entsetzt über die Pläne, die im Arzneimittelneuordnungsgesetz geregelt sind, das derzeit im Bundestag beraten wird. „Die Regelung ist in der Tat so ausgestaltet, dass in Zukunft kein Patient in einer deutschen Apotheke den Originalpreis eines rezeptpflichtigen Medikaments zahlen muss“, sagte die Justiziarin des BPI, Christine Lietz. „Es ist zu befürchten, dass dies dazu führen wird, dass bei Preisverhandlungen im Ausland der deutsche Listenpreis nicht mehr als Referenzpreis anerkannt werden wird.“ Die Listenpreise würden dadurch zur Makulatur.

In der Tat spielen die deutschen Listenpreise bisher vor allem bei der Preisfindung in der EU eine wichtige Rolle. So fordert Frankreich regelmäßig 20 Prozent Abschlag von diesen Preisen, wenn die Unternehmen ihre Produkte auch an Sozialversicherte verkaufen wollen. Ähnlich läuft es in anderen EU-Ländern. „Wenn Sie so wollen, verhandelt die deutsche gesetzliche Krankenversicherung in Zukunft die Rabatte für ausländische Sozialversicherungen gleich mit“, sagte Yzer. Dies könne eigentlich nicht Ziel einer schwarz-gelben Arzneimittelreform sein.

Frühere Bundesregierungen haben bei Eingriffen in den Pharmamarkt immer peinlich darauf geachtet, die von den Herstellern frei gesetzten Listenpreise nicht zu tangieren. Vergünstigungen für gesetzlich Versicherte gab es daher immer nur in Form von Zwangsrabatten oder Erstattungsobergrenzen. Diese konnten regelmäßig damit begründet werden, dass der Zugang zum Markt der gesetzlichen Krankenversicherung hohe garantierte Umsätze bedeutet, die die Gewährung eines Rabatts rechtfertigten.

Dieses Argument haben die Preisverhandler der Branche im Ausland künftig nicht mehr. Denn nach den Plänen der Bundesregierung müssen die Hersteller den Zwangsrabatt von 16 Prozent in Zukunft auch jedem Selbstzahler gewähren. Dies gilt auch für die Rabatte, die der GKV-Spitzenverband künftig mit den Herstellern für neue, in der Regel teure Medikamente innerhalb eines Jahres aushandeln muss. Denn auch hier muss der Hersteller den vereinbarten Abschlag ab Werk – also jedermann – gewähren.

Kommentare zu " Arzneimittelreform: Pharmabranche sieht ihre Exportmargen bedroht"

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  • Es wird Zeit, daß mit diesem Pharmakartell mal aufgeräumt wird. Allerdings ist von Schwarz-geld da nichts zu erwarten.
    Zum Schluß zahlt der gesetzlich versicherte mehr, der privat versicherte weniger. Ganz im Sinne der Lobbyisten in unserer Regierung.

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