Asien und Osteuropa gelten als aussichtsreiche Zukunftsmärkte
Studie prophezeit Bahnindustrie starke Zuwächse

Der Weltmarkt für Bahntechnik wird dem darauf spezialisierten Industriezweig auf Jahre hinaus Milliardenaufträge und Wachstum bringen. Das Potenzial für die Branche liege bei durchschnittlichen Zuwächsen von 4 % pro Jahr, heißt es in einem gestern in Berlin vorgestellten Report „Weltmarkt Bahn“. Das diesjährige Volumen des Weltmarktes wird in dem Report mit 56,7 Mrd. Euro beziffert.

ek BERLIN. „Wir erwarten für die nächsten zehn bis 15 Jahre ein nachhaltiges Wachstum auf globaler Basis“, sagte Burkhard Schuchmann, Vorstandschef des Bahntechnik-Spezialisten Vossloh AG. Das Unternehmen mit Sitz in Werdohl im Sauerland hatte den Report von der Unternehmensberatung SCI Verkehr GmbH, Hamburg, erstellen lassen.

SCI geht davon aus, dass jährlich Schienenfahrzeuge in einer Größenordnung von 22 Mrd. Euro beschafft werden. Die Untersuchung rechnet mit Infrastruktur-Investitionen von 28,6 Mrd. Euro per anno und erwartet einen überdurchschnittlich steigenden Anteil an „Systemtechnik“ zur intelligenten Organisation des Bahnverkehrs von rund 6 Mrd. Euro im Jahr. Das größte Marktsegment sieht SCI Verkehr bei Elektrotriebwagen (4,2 Mrd. Euro), gefolgt von Dieselloks mit 3,5 Mrd. Euro und Elektroloks mit 2,3 Mrd. Euro Umsatzvolumen pro Jahr. Zusammen rund 3 Mrd. Euro Umsatz sei bei Stadtbahn-Fahrzeugen und Metrosystemen zu erwarten.

„Die Studie bestätigt unsere Wachstumserwartungen. Wir sehen weltweit ein positives Klima für die Bahn“, sagte Michael Clausecker, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, dem Handelsblatt. Mit Sorge sehe er aber die Entwicklung in Deutschland. Die angespannte Haushaltslage des Bundes und der enorme wirtschaftliche Druck auf der Deutschen Bahn führten zu nachlassenden Investitionen sowohl bei der Schieneninfrastruktur als auch bei Fahrzeugen.

Die Studie hält Westeuropa für den bedeutendsten Bahntechnik- Markt mit einem Jahresumsatz von 21,47 Mrd. Euro. Das Wachstum der Verkehrsnachfrage werde auch zu einer deutlichen Steigerung des Marktvolumens führen. Als interessanteste Zukunftsmärkte sieht der Report in den nächsten fünf Jahren Asien mit einer jährlichen Wachstumsrate von 6 % sowie Osteuropa mit 5 % Zuwachs pro Jahr.

Der Leiter der EU-Arbeitsgruppe „Transeuropäisches Verkehrsnetz“, Karel Van Miert, warnte auf der Präsentation des Reports allerdings vor zu viel Optimismus bei der Einschätzung des osteuropäischen Marktes. In die künftigen EU-Beitrittsländer werde angesichts leerer Kassen kaum noch so viel Geld fließen wie etwa nach Spanien und Portugal nach deren EU-Beitritt. Der frühere EU-Verkehrskommissar sagte, allein für 18 als vorrangig eingestufte europäische Verkehrsprojekte bestehe ein Investitionsbedarf von 220 Mrd. Euro bis zum Jahr 2015. Davon könne die Europäische Union nur Bruchteile fördern.

Von den Schienenverkehrsprojekten, die bereits früher von der Kommission für vorrangig gehalten worden waren, sei ohnehin erst ein Drittel realisiert. Dringender denn je sei eine gemeinsame Bahnpolitik in der EU, forderte Van Miert. Ohne sie würde die Bahn es nicht schaffen, nennenswert höhere Marktanteile zu gewinnen. Vor dem Hintergrund der Prognose, dass sich das Verkehrsaufkommen in den nächsten 20 Jahren verdoppele, wäre das „eine Art Katastrophe“.

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