Asiens Hersteller bauen Position in Deutschland aus
Toyota, Hyundai & Co. attackieren Europäer

Während traditionelle Importeure wie Renault oder Seat auf dem deutschen Markt schwächeln, legen die koreanischen Marken Hyundai und Kia mit atemberaubendem Tempo zu. Kia hat im ersten Quartal 36,7 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt, Hyundai 21,5 Prozent – und damit Fiat auf dem deutschen Markt erstmals überholt.

HB TOKIO/DÜSSELDORF. Die beiden Markentöchter des koreanischen Hyundai-Konzerns haben noch viel vor. „Wir wollen weiter auf dem deutschen Markt kräftig wachsen“, sagt der Geschäftsführer von Hyundai-Deutschland, Karl-Heinz Engels. Und auch sein Kia-Kollege Haydan Leshel sieht die Expansion erst am Anfang. In diesem Jahr will das Unternehmen seinen Absatz in Europa auf 360 000 Autos glatt verdoppeln. „Europa steht jetzt im Fokus“, sagt Leshel. Der koreanische Mutterkonzern räumt dem europäischen Markt Vorrang vor dem US-Absatz ein. Mehrmonatige Lieferzeiten wie für den Geländewagen Sorento sind Vergangenheit.

Zurzeit baut Kia in der Slowakei eine eigene Fabrik auf, Ende nächsten Jahres soll eine Fertigung mit bis zu 300 000 Einheiten betriebsbereit sein. „Dann greifen wir richtig in der Golf-Klasse an“, formuliert Leshel seine Kampfansage an VW. Um sich endgültig in Europa zu etablieren, baut Kia derzeit am Frankfurter Messegelände eine neues Europahauptquartier. Eine eigene Entwicklungszentrale, wahrscheinlich in Südeuropa, soll folgen.

Auch die japanischen Hersteller wachsen auf dem europäischen Markt mit Raten, von denen heimische Hersteller träumen. Branchenstar Toyota will 2005 erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa, inklusive der Türkei, absetzen – acht Prozent mehr als 2004. Und bis 2010 peilt das Unternehmen für den europäischen Markt ähnlich hohe Wachstumsraten an. Damit würde der weltweit zweitgrößte Autobauer das angestrebte Ziel von 1,2 Millionen Fahrzeugen deutlich übertreffen.

Japans drittgrößter Hersteller Honda will in diesem Jahr in Europa mit zwei neuen Dieselmodellen 7,8 Prozent wachsen. 40 Prozent der 275 000 verkauften Autos sollen dann Selbstzünder haben. Allerdings setzten die japanischen Hersteller immer noch so wenige Fahrzeuge mit Dieselmotoren ab, dass die Kosten pro Fahrzeug höher seien als bei der Konkurrenz, sagt Autoanalyst Kunihiko Shiohara von Goldman Sachs in Tokio.

Im Moment spielt den asiatischen Herstellern der hohe Eurokurs in die Hände. „Langfristig werden die Japaner aber noch mehr in Produktionsstätten investieren“, meint Shiohara – auch wenn ihre globale Kostenstruktur durch die Fertigungsstraßen in den USA schon heute besser sei als etwa die der deutschen Hersteller. Die schwache Konjunktur in Europa treibe den koreanischen Herstellern derzeit viele preisbewusste Käufer in die Arme, betont Nigel Griffiths vom britischen Branchenbeobachter Global Insight. Vor allem Fiat, Renault und Seat bekämen das zu spüren.

Hyundai und Kia hätten zehn Jahre nach dem Markteintritt alle wichtigen Segmente in Europa besetzt, einzig in der Dieseltechnik gebe es noch Schwächen, sagt Griffiths. Mittelfristig müsse sich aber zeigen, ob es ihnen gelinge, in Europa starke Marken aufzubauen. Weil sich die Angebotspaletten der beiden koreanischen Schwestern stark überlappen, wird jetzt an einer Abgrenzung gearbeitet: Kia als jugendlich sportliche Marke, Hyundai soll den gesetzteren Fahrer ansprechen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%