Astra-Verlagerung
IG Metall wirft Opel „nackte Erpressung“ vor

Trotz der Produktionsverlagerung des Astras ins Ausland hält die IG Metall die deutschen Opel-Werke für nicht gefährdet. Doch die Arbeitnehmer sind sauer, die Gewerkschaft wirft der Opel-Führung Wortbruch vor.
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Mainz/BerlinDie IG Metall wirft Opel bei der Entscheidung zur Verlagerung der Produktion des wichtigen Modells Astra von Rüsselsheim nach Polen und Großbritannien Wortbruch vor. Die Gewerkschaft will den Kahlschlag des Autobauers nicht widerstandslos hinnehmen. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild, sagte am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“, die Arbeitnehmervertretung habe in der großen Krise Verträge mit dem Unternehmen geschlossen, die sicherstellten sollten, „dass solche Entscheidungen nicht an uns vorbei getroffen werden können“.

„Deshalb sind wir verwundert“, erklärte Schild. Die Menschen an den deutschen Standorten seien „stinksauer“. Dennoch sieht Schild, der auch im Opel-Aufsichtsrat sitzt, keines der vier deutschen Opel-Werke, auch das in Bochum nicht, momentan von der Schließung bedroht. Die IG Metall sei davon überzeugt, dass jeder Opel-Standort in Deutschland gehalten werden kann.

Schild warnte, es wäre „betriebswirtschaftlicher Wahnsinn“, das Bochumer Werk zur Disposition zu stellen. Für die IG Metall sei es „unakzeptabel“, das solche öffentliche Gedankenspiele vom Unternehmen zugelassen werden. Das Opel-Stammwerk Rüsselsheim sei sicher das modernste und flexibelste Werk des Traditionsunternehmens in Europa und verfügte daher wohl über die höchste Bestandsgarantie in Deutschland, sagte Schild.

Zur Frage, ob die vier deutschen Standort - neben Rüsselsheim und Bochum, Eisenach und Kaiserslautern - gehalten werden können, sagte er: „Davon bin ich ganz fest überzeugt. Ich glaube, dass wir uns um die Zukunft der vier deutschen Standort keine Sorgen machen müssen“. Die aktuellen Probleme der Unternehmens seien Image- und Marketing-Probleme. Opel müsse von der US-Konzernmutter General Motors zudem Zugang zu den großen Wachstumsmärkten in der Welt erhalten, wie etwa China.

„Klar ist, das sage ich für die ganze IG Metall: die IG Metall wird nicht die Hand reichen für ein Gegeneinander der Standort.“ Weiter sagte Schild: „Keiner wird zulasten des anderen ausgelastet“. Was im britischen Werk Ellesmere Port geschehen sei, mit Lohnverzicht die Verlagerung von Astra-Produktionsteilen dorthin zu erreichen, sei „nackte Erpressung“ gewesen. Dieser Fall zeige, dass Opel und GM versuchten, Belegschaften gegeneinander auszuspielen.

Opel und GM hatten am Donnerstag entschieden, den Astra aus Kostengründen ab 2015 nicht mehr in Rüsselsheim sondern im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gleiwitz zu bauen. Schild erneuerte die Forderung, dass Opel-Fahrzeuge nicht auf die europäischen Märkte begrenzt bleiben sollten. „Opel wird nicht da verkauft, wo andere Automobilhersteller gerade sich 'ne goldene Nase verdienen, sondern auf den schwierigen europäischen Märkten.“ Verluste müssten dann von der Mutter General Motors auch finanziert werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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