Atlas Elektronik Thyssen-Krupp übernimmt Marinetechnikspezialisten komplett

Der Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp kauft Airbus die restlichen Anteile am Marinetechnikspezialisten Atlas Elektronik ab. Airbus will sich wiederum stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
Update: 12.01.2017 - 13:50 Uhr Kommentieren
Der Stahl- und Technologiekonzern wird der alleinige Eigentümer von Atlas Elektronik. Quelle: dpa
Thyssen-Krupp

Der Stahl- und Technologiekonzern wird der alleinige Eigentümer von Atlas Elektronik.

(Foto: dpa)

MünchenDer Industriekonzern Thyssen-Krupp baut mit der Komplettübernahme des Marinetechnikspezialisten Atlas Elektronik sein Rüstungsgeschäft aus. Das Unternehmen erwerbe die restlichen 49 Prozent der Anteile von Airbus, teilte Thyssen-Krupp am Donnerstag mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Airbus hatte angekündigt, sich in seiner Verteidigungssparte auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und sich von Randbeteiligungen zu trennen. Thyssen-Krupp baut seiner Sparte Marine Systems bereits U-Boote und Kriegsschiffe.

„Durch die vollständige Übernahme ist eine noch engere Kooperation zwischen Atlas Elektronik und Thyssen-Krupp Marine Systems möglich, zum Beispiel bei der Produktentwicklung“, erklärte der größte deutsche Stahlkonzern. Atlas Elektronik sei im Bereich Sonar seit vielen Jahren ein wichtiger Partner. Die technologischen Fähigkeiten seien für viele Kunden entscheidend bei der Auswahl der Lieferanten und von strategischer Bedeutung bei vielen laufenden Marineaufträge weltweit.

„Das Weltwunder von Rottweil“
Lösungen für Megacitys
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Bis ins Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gebäude schießen deshalb in die Höhe. Anders ist der steigende Platzbedarf in den Megacitys der Welt gar nicht zu bewältigen. Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute steigt die Geschossfläche von Gebäuden dadurch allein bis 2025 um schätzungsweise 85 Prozent. Die Menschen möglichst effizient von A nach B zu bringen, ist eine bauliche Herausforderung. Die Lösungen dazu entstehen ab 2016 in Rottweil – im Testturm von Thyssen-Krupp.

Wachablösung nach 700 Jahren
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Unmittelbare Auswirkungen hat das für den Kapellenturm in Rottweil. Das mittelalterliche Bauwerk entzückt schon seit Jahrhunderten kulturhistorischer Besucher in der ältesten Stadt Baden-Württembergs – zudem war der 70 Meter hohe gotische Kirchturm gut 700 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt. Doch diesen Rekord ist er los.

Der Testturm überragt alles
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Die Ausnahmestellung ist dahin, weil Thyssen-Krupp in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut hat, der alles überragt.

40 Millionen für den Testturm
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In dem Riesenzylinder will der Industriekonzern seine modernsten Aufzüge testen, um damit im Konkurrenzkampf mit Otis, Schindler oder Kone punkten. 40 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp in den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert. Am Montag, 12. Dezember, nahm das Unternehmen offiziell den Forschungsbetrieb auf

Thyssens Ertragsperle
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Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Sie steuerte mit einem operativen Ergebnis von 860 Millionen Euro zuletzt mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Bis spätestens 2020 soll die Sparte die Marke von einer Milliarden Euro knacken.

Neun Aufzugsschächte für Tests
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In Rottweil kann Thyssen Krupp seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen überprüfen. Zwölf Schächte sind in dem Testturm eingebaut, davon werden neun für die Tests mit Aufzügen benutzt, deren Höchstgeschwindigkeit 64,8 Kilometer pro Stunde beträgt. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger – ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Dieser Block soll die vom Wind ausgelösten Schwingungen ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt. „Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator

Aufzüge mit elektromagnetischem Antrieb
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Gleich drei Schächte sind für den „Multi“ reserviert. Bei dem neuen Aufzugskonzept wird auf ein Seil verzichtet, stattdessen bewegt sich der Multi dank eines elektromagnetischen Antriebs. Entlehnt ist das Prinzip aus dem Transrapid, den Thyssen-Krupp zusammen mit Siemens entwickelt hat. Angetrieben von eigenen Motoren können gleich mehrere Kabinen in einem Schacht computergesteuert auf- und abfahren. Der Aufzug fährt nicht nur vertikal sondern kann sich auch seitwärts über mehrere Schächte hinweg bewegen oder Gebäude miteinander verbinden. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche erhofft sich Schierenbeck — bei deutlich höheren Kapazitäten.

Atlas Elektronik hat seinen Hauptsitz in Bremen. Das Unternehmen ist auf Sonar, Torpedos, Marineelektronik und unbemannte Unterwassersysteme spezialisiert. Der Konzern mit weltweit rund 2100 Mitarbeitern erzielte 2015 einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

  • rtr
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