Atomausstieg
Vattenfall will Entschädigung für Ausfälle

Vattenfall will Verluste durch den deutschen Atomausstieg nicht auf sich sitzen lassen. Für die Abschaltung seiner Kernkraftwerke wolle man eine Entschädigung, erklärte der Konzern jetzt.
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ParisVattenfall will Entschädigung für die Abschaltung seiner deutschen Atomkraftwerke. "Für uns könnte der deutsche Atomausstieg im Geschäftsjahr 2011 hunderte Millionen Euro Verlust bedeuten", sagte Konzernchef Oystein Løseth der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" (Freitag). Die Schlüsselfrage für den Konzern sei daher, ob es eine Kompensation geben werde, und zwar "durch einen Transfer von Stromvolumen von sofort stillzulegenden AKW auf solche, die erst 2022 abgeschaltet werden sollen". In den Ausbau der schwedischen Atomkraft werde Vattenfall weiter investieren.

Der zu 100 Prozent vom schwedischen Staat gehaltene Konzern besitzt in Deutschland die Mehrheit an den vom Netz genommenen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel und ist zu 20 Prozent am AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein beteiligt. Laut dem am Dienstag beschlossenen Atomausstieg soll Brokdorf etwa 2021 vom Netz gehen. Durch die laut Gesetzentwurf mögliche Reststrommengenübertragung von alten auf neue Atomkraftwerke könnten die verbleibenden neun AKW allesamt erst 2021 oder 2022 abgeschaltet werden.

Die Klage des Energieriesen Eon gegen die Brennelementesteuer sieht der Chef des schwedischen Energieriesen als richtigen Weg; sein Konzern will aber erst abwarten, was die Bundesregierung am Montag konkret vorschlagen will. In Schweden, das nach Løseths Angaben 50 Prozent seiner Stromgewinnung aus Atomkraftwerken bezieht, soll die Lebensdauer der sieben AKW von 40 auf 50 Jahre aufgestockt werden. "Wir werden rund fünf Milliarden Euro investieren, um deren Leistung und Lebensdauer zu steigern; zugleich besteht unsere Absicht weiterhin, mittelfristig neue Reaktoren zu bauen." Der Atomunfall von Fukushima habe die schwedische Atompolitik nicht erschüttern können.

Parallel dazu wolle Vattenfall jedoch an seinem Ziel festhalten, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromgewinnung auszubauen. "Wir betreiben den weltgrößten Offshore-Windpark in Thanet (Großbritannien), andere werden folgen", betonte Løseth.

Zudem solle die Energiegewinnung aus Biomasse von einem 10-prozentigen Anteil auf mittelfristig 50 Prozent angehoben werden. "Bis zum Jahr 2050 wollen wir das Ziel von Null Emissionen erreichen. In dieser Perspektive entwickeln wir gemeinsam mit Volvo ein Hybrid-Elektroauto", erklärte der Vattenfall-Chef.

Noch ist der Energieriese in neun europäischen Ländern aktiv. "Aber wir wollen uns auf Deutschland, die Niederlande und Schweden konzentrieren, die rund 85 Prozent unseres Cash-Flows darstellen." Die Aktivitäten in Finnland, Belgien, Polen und Dänemark würden dagegen verkauft.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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