Atomenergie
Aufregung um Frankreichs Atommüll

In Frankreich ist ein Streit um Hunderte Tonnen von strahlendem Material entbrannt: Offenbar haben Areva und EDF jahrelang Reststoffe der 58 französischen Atommeiler ins sibirische Seversk verschiffen lassen. Die beiden Unternehmen argumentieren, dass es nicht um Abfall, sondern um wiederverwertbares Material handele.

PARIS. In Frankreich ist eine Debatte über die Wiederverwendung von Atom-Müll entbrannt. Auslöser ist ein Bericht der Tageszeitung "Libération", demzufolge rund 13 Prozent der Reststoffe aus den 58 französischen Atom-Meilern jedes Jahr ins sibirischen Seversk verschifft werden. Insgesamt würden so pro Jahr 108 Tonnen Uranium dort eingelagert. Areva und EDF erklären dagegen, dass es sich bei den Reststoffen nicht um Abfall handele, sondern um wiederverwertbares Material. "Derzeit verfügen wir aber nicht über die notwendige Technik, um das Material wieder aufzubereiten", erklärte ein Areva-Sprecher.

Trotz der Versicherungen ist eine politische Debatte um Frankreichs Atompolitik entbrannt. Der Grünen-Politiker und Atomgegner Noël Mamère warf beiden Konzernen vor, sich wie "ökologische Kriminelle" zu verhalten. Die Praktiken der Verschiffung von radioaktiven Reststoffen nach Russland, die heute auf Arte in einer TV-Reportage gezeigt werden, waren bis dato der breiten Öffentlichkeit unbekannt; Mamère beklagte die "Kultur der Geheimnistuerei", die die französische Atomszene umgebe.

EDF bezahlt die staatliche Atom-Holding Areva dafür, die abgebrannten Brennelemente aus den 58 Meilern wieder aufzubereiten. Dies geschieht in der Anlage im nordfranzösischen La Hague. Von 850 Tonnen verbrauchten Brennelementen bestünden laut "Libération" 810 Tonnen aus Uranium zur Wiederaufbereitung; 15 Prozent davon gingen aber seit Anfang der 90er-Jahre an die russische Firma Tenex; diese wiederum würde nur zehn Prozent davon als verwendbares Material wiederaufbereiten, 90 Prozent würden als schwach radioaktives Material unter offenen Himmel gelagert.

Das Prozedere ist möglich, da das Uranium nicht als Atommüll gilt, sondern als theoretisch wieder verwendbares Atommaterial. Auch nach französischem Gesetz sind Transporte von Atommüll ins Ausland untersagt. Atommüll muss in Frankreich gelagert werden. Doch noch weiß anscheinend niemand so recht, wie das nach Russland verschiffte Material wiederverwendet werden kann. Areva verweist auf sein neues Brennelementwerk George Besse II, das ab 2012 in Betrieb gehen soll. In dem neuen Werk sei es möglich, das in La Hague zurück gewonnene Uran wiederzuverwenden, heißt es. Ab dann sei es technisch nicht mehr nötig, das Material nach Russland zu schicken. "Es ist in jedem Fall die Entscheidung des Stromkonzerns, das Material zur Wiederaufbereitung nach Russland zu schicken", erklärte ein Areva-Sprecher, ohne den Namen EDF in den Mund zu nehmen.

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