Atomenergie
Japans Kraftwerksbauer expandieren

Die japanischen Kraftwerksausrüster Toshiba, Hitachi und Mitsubishi Heavy ergattern derzeit im Monatsrhythmus lukrative Großaufträge aus den USA, Indien, China und anderen Wachstumsländern. Vor allem Kernkraftwerke sind stark gefragt. Toshiba baut gerade eine umfassende Kette von Angeboten auf, die vom Kraftwerk bis zur Bestückung mit Brennelementen reicht.

TOKIO. Am Montag hat der Mischkonzern im Zuge dieser Strategie dem kasachischen Staatsunternehmen Kasatomprom einen Anteil von zehn Prozent an seiner US-Kraftwerkstochter Westinghouse verkauft. Die Kasachen bezahlen für den Anteil 540 Mill. Dollar. Mit dem Freundschaftsdienst für Kasatomprom macht Toshiba einen weiteren Schritt, um sich den Zugriff auf Uranrechte zu verschaffen. In Kasachstan vermuten Geologen die weltweit zweitgrößten Vorkommen des radioaktiven Elements. Erst in den Vergangenen Woche hatte Toshiba bekannt gegeben, von dem Handelshaus Marubeni einen Anteil an einer kasachischen Uranmine zu erwerben. Das Geschäft würde Toshiba vermutlich 450 Tonnen Uran pro Jahr sichern.

Im Kraftwerksbau selbst konnte Toshiba kürzlich Erfolge beim Werben um einen Auftrag des Energieversorger NRG Energy melden, der in Texas eine große Anlage mit zwei Reaktoren plant. Toshiba konnte bereits einen Wartungsvertrag für das Kraftwerk unterschreiben, was als Anzeichen für einen baldigen Abschluss für das Hauptprojekt gilt. Einen definitiven Auftrag für einen der beiden Reaktordruckbehälter haben sich die Japaner bereits geschnappt. Wenn Toshiba den Gesamtauftrag bekommt, wäre erstmals ein japanisches Unternehmen in den USA Konsortialführer für ein Atomkraftwerk. Die Anlage soll bis 2014 ans Netz gehen.

Im Juli hat Toshiba einen mehrere Milliarden Euro schweren Auftrag für vier Kernreaktoren in China unterschrieben. China setzt konsequent auf den Ausbau der Kernkraft, um Umweltprobleme mit seinen Kohlekraftwerken zu reduzieren. Die Gesamtleistung der chinesischen Reaktoren soll von derzeit sieben Gigawatt in den nächsten 13 Jahren auf 40 Gigawatt steigen – dazu müssen etwa zwei Kraftwerksblöcke pro Jahr neu entstehen. „Die Chinesen haben ein ehrgeiziges Programm, das uns viel zu tun geben wird“, sagte Westinghouse-Chef Steve Tritch beim Abschluss des Vertrags. An die indischen Tata Power Corp. liefert Toshiba Dampfturbinen im Wert von 300 Mill. Dollar.

Die japanische Toshiba will sich mit dem Kernkraftengagement von der Halbleiterproduktion unabhängig machen. Der Geschäft mit Chips ist Zyklen unterworfen – eine stabile Branche wie der Kraftwerksbau ist das ideale Gegengewicht.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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