Atomkraft
Areva wirft Siemens Vertragsbruch vor

Erst wollte Areva den langjährigen Partner Siemens nicht mehr im gemeinsamen Atom-Bündnis. Nun protestieren die Franzosen gegen Siemens neue Partnerschaft in Russland. Es droht der Gang vors Gericht.

PARIS/MÜNCHEN. Der Siemens-Konzern muss bei seinen Atomplänen mit massivem Widerstand aus Frankreich rechnen. Denn Areva pocht auf die bestehenden Verträge mit Siemens, denen zufolge die Deutschen nach einem Ausstieg aus der Nuklear-Kooperation mit Areva acht Jahre lang den Franzosen keine Konkurrenz machen dürfen. Diese Klausel sieht Areva nun als gebrochen an. Denn Siemens hat am Dienstag die Gründung eines Nuklear-Joint-Ventures mit der russischen Rosatom bekanntgegeben.

Nun droht Areva offen mit einer Klage: „Wir werden unsere Rechte verteidigen“, sagte eine Areva-Sprecherin. „Das kann zu juristischen Prozessen führen.“ Bei Siemens gab man sich gelassen. „Selbstverständlich kommen wir unseren vertraglichen Verpflichtungen aus dem Joint Venture mit Areva nach“, sagte ein Sprecher. Man verhandle mit Areva derzeit über die Trennung. „Diese Gespräche dauern an.“

„Die Vereinbarungen zwischen Rosatom und Siemens richten sich gegen niemanden“, erklärte auch Rosatom-Chef Sergej Kirijenko nach Angaben der russischen Agentur Interfax. Die Vereinbarungen sollten anderen Partnern keinen Schaden zufügen.

Siemens hatte im Jahr 2001 seine Nuklear-Aktivitäten wie die Entwicklung des erfolgreichen neuen Reaktortyps EPR in ein Joint-Venture mit dem staatlichen Areva-Konzern eingebracht. Seitdem hält Siemens 34 Prozent an der Kraftwerk-Tochter Areva Nuclear Power (Areva NP).

Im Zuge der Renaissance der Kernkraft wollte Siemens seinen Anteil aufstocken. Das scheiterte aber am „Non“ von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy. Dieser sah nicht ein, den Deutschen einen größeren Anteil an der strategischen Nuklear-Technik zu geben, wenn Deutschland selbst aus der Atomkraft aussteigen will.

Ende Januar kündigte Siemens dann zur völligen Überraschung Arevas an, den Franzosen vertragsgemäß den deutschen Anteil von 34 Prozent an Areva NP andienen zu wollen. Areva muss Siemens in drei Jahren auszahlen. Der Wert dieser Verkaufsoption steht bei Areva derzeit mit rund zwei Milliarden Euro in den Büchern. Nun verhandeln beide Konzerne über die Bedingungen der Scheidung. Areva baut bei diesem Poker auf die Nicht-Konkurrenzklausel. Sie verbietet Siemens für acht Jahre, Areva im Atomgeschäft in die Quere zu kommen. „Das ist ein wunderbarer Hebel bei den Preisverhandlungen“, heißt es im Umfeld Arevas.

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