Atomkraft-Konzerne
EDF will massiv in USA zukaufen

Nach seinem milliardenschweren Zukauf in Großbritannien nimmt der französische Atomkraftriese Electricite de France einen zweiten Anlauf für ein solides Standbein in den USA. Der stark auch in Deutschland engagierte Konzern bot am Mittwoch insgesamt 5,1 Mrd. Euro für einen 50-Prozent-Anteil an der Nuklearsparte der Constellation Energy Group.

HB PARIS. Einen ersten Versuch hatte EDF im Oktober wegen der Kreditklemme auf den Finanzmärkten wieder aufgegeben. Constellation wird auch vom US-Milliardär Warren Buffett umworbenen.

Ein Zukauf auf dem größten Markt für Atomenergie gilt als zentraler Baustein für die Expansionsstrategie der Franzosen, die im September für knapp 16 Mrd. Euro den Zuschlag für den Konkurrenten British Energy erhalten haben. In Deutschland hat EDF einen Umsatzanteil von zwölf Prozent und ist zu 45 Prozent am drittgrößten Energiekonzern EnBW beteiligt.

EDF will fünf Atommeiler an der Ostküste der USA übernehmen und bietet weitere 1,6 Mrd. Euro für Stromproduktionen aus Gas, Öl und Kohl. Zudem versüßt EDF sein Gebot mit einer Finanzspritze von rund 800 Mio. Euro für die klamme Constellation-Kasse. Der Vorschlag soll damit attraktiver werden als das rivalisierende Gebot von Buffetts MidAmerican Energy, über das die Constellation-Aktionäre am 23. Dezember abstimmen. Als die Tochter von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway im September ihr Angebot über insgesamt 3,7 Mrd. Dollar vorlegte, stand Constellation wegen seiner engen Verbindungen zur kollabierten Investmentbank Lehman Brothers am Rande des Bankrotts. EDF ist mit einem Anteil von knapp zehn Prozent bereits jetzt größter Einzelaktionär des Stromproduzenten.

"Constellation ist in seinen Grundfesten stark, und EDF ist wie viele andere überzeugt, dass der MidAmerican-Vorschlag das Unternehmen und seine Perspektiven weit unterbewertet", erklärte EDF-Chef Pierre Gadonneix, der die US-Einheit als eigenständiges Haus weiterführen will. An der Börse überwogen allerdings die Zweifel. EDF-Anteile verloren auf dem bei Minus 1,8 Prozent tendierenden Pariser Markt zeitweise fast sechs Prozent an Wert.

"EDF tut gut daran, beim Atomstrom in den USA zu investieren", sagte Broker David Thebault. "Aber ich fürchte, sie zahlen ein bisschen zuviel für Constellation." Umgerechnet auf die Aktie beläuft sich das Gebot auf 52 Dollar, der Kurs der Amerikaner schloss am Dienstag mit 25,15 Dollar bei weniger als der Hälfte. EDF will das Geschäft aus den eigenen Mitteln und Krediten finanzieren.

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