Atomkraft
Merkel lässt Stromkonzerne frohlocken

Die Vorsitzende der CDU und wahrscheinliche Kanzlerkandidatin der Union bei der bevorstehenden Bundestagswahl, Angela Merkel, will den Stromkonzernen im Falle eines Wahlsiegs bei den Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke freie Hand lassen.

HB BERLIN. Merkel sagte am Montagabend in der ARD, die Union werde es den Betreibern überlassen, die Laufzeit der Meiler über das mit Rot-Grün vereinbarte Maß hinaus auszudehnen. Sie sollten die Kraftwerke solange laufen lassen, solange dies technisch möglich sei. Einem Neubau von Atomkraftwerken erteilte Merkel eine Absage.

Der Atomausstieg war eines der zentralen Projekte der rot-grünen Koalition. Sie vereinbarte mit den Konzernen Restlaufzeiten für jeden einzelnen Meiler. Inzwischen sind zwei Kraftwerke vom Netz gegangen: Stade und Obrigheim. Nach dem im Sommer 2001 unterzeichneten Ausstiegsvertrag dürfte das letzte der derzeit noch 17 Atomkraftwerke 2021 vom Netz gehen.

Der Vorstandschef des Energiekonzerns Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, hatte Merkels Ankündigung im Gespräch mit dem Handelsblatt bereits vorweg genommen: "Es erscheint mir wahrscheinlich, dass die Union im Falle eines Regierungswechsels bereit wäre, die Restlaufzeiten für die Atomkraftwerke unter bestimmten Rahmenbedingungen zu verlängern", sagte er. Alerdings sei für ihn ein Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland nicht vorstellbar, egal in welcher politischen Konstellation. Denn das wäre nicht vermittelbar, auch nicht in der Öffentlichkeit .

Rauscher erklärte weiter, er erwarte von einer unionsgeführten Bundesregierung, "dass Ökonomie und die Ökologie wieder in ein Gleichgewicht gebracht und die massiven Subventionen für die Windkraft zurückgefahren werden".

An der Börse waren die Aktien der Stromversorger Eon und RWE, die neben Vattenfall und Energie Baden-Württemberg (EnBW) die deutschen Atomkraftwerke betreiben, am Montag Tagessieger im Dax. Beide Papiere legten um mehr als drei Prozent zu. Anders als Vattenfall wollten sich Eon und RWE jedoch nicht zu ihrer Haltung äußern. Alle vier Konzerne hatten erklärt, für den Atomausstieg bestehe keine Notwendigkeit.

In Kreisen der Atomwirtschaft wurden am Montag Rechnungen über längere Laufzeiten von Atomkraftwerken aufgestellt. Die Anlagen sind weitgehend abgeschrieben und produzieren billig Strom. Rückenwind bekommen die Atomenergie-Verfechter auch von der Ökostrom-Konkurrenz. Der Vorstandschef des Windstromerzeugers REpower, Fritz Vahrenholt, räumte vor kurzem ein, dass sich ohne Atomenergie zumindest kurz- und mittelfristig die klimapolitischen Ziele der Regierung nicht erreichen ließen. Tatsächlich brauchten die regenerativen Energien noch Jahre, bis sie wirtschaftlich seien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%