Atomkraft
Uran-Förderer hoffen auf Renaissance

"Atomkraft - ja bitte": Während Deutschlands Regierung noch an der Abkehr von der Kernenergie festhält, sieht es in vielen anderen Ländern ganz anders aus. Die Uran-Förderer hoffen auf eine Renaissance - und steigende Preise. Doch auch sie stehen vor Problemen.

OTTAWA/DÜSSELDORF. Die Nachfrage nach Uran wächst. Der Brennstoff gilt zwar nicht als knapp, doch Länder wie Russland oder Frankreich sichern sich zurzeit den Zugang zu der begehrten Ressource. Die weltweit im Uran-Bergbau aktiven Unternehmen halten daher trotz gesunkener Preise an Expansionsplänen fest, kämpfen aber mit Problemen.

"Bei strategischen, politischen Rohstoffen geht es immer um die Sicherstellung der Versorgung", sagt Christoph Eibl von Tiberius Asset Management. Jüngstes Beispiel für eine solche Reservierung von Vorkommen ist der Afrika-Besuch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im vergangenen Monat. Er hat bei dieser Reise ein Joint-Venture zur Uran-Exploration in der Republik Kongo unterzeichnet.

Bereits im Januar hatte der französische Atomkonzern Areva im Niger ein Abkommen über die Ausbeutung der weltweit zweitgrößten Uranmine abgeschlossen. Areva baut bereits seit vier Jahrzehnten im Niger Uran ab.

Fakt ist: Weltweit wollen viele Staaten neue Atomreaktoren in Betrieb nehmen. Japan etwa plant elf weitere Reaktoren, die USA 26, China und Indien 16 beziehungsweise sechs. Auch in Russland sind bis 2020 zwölf neue Atomreaktoren geplant, sieben befinden sich bereits im Bau. Zur Sicherung der Versorgung setzt Russland auf Australien; das Land verfügt über 40 Prozent der bekannten Uran-Reserven.

Das starke Interesse hat sich im Preis nur bedingt niedergeschlagen. Mitte 2007 kostete ein Pfund (454 Gramm) Uranoxid auf dem "Spot-Markt", also zur sofortigen Lieferung, 136 Dollar - so viel wie nie zuvor. Inzwischen sind es nur noch 42,50 Dollar. Allerdings werden auf dem Spot-Markt nur etwa 15 Prozent der gesamten Uran-Menge gehandelt. Der größte Teil wird durch langfristige Verträge gekauft; selbst auf dem Höhepunkt der Nachfrage Mitte 2007 lag der Preis aber hier nur bei 90 Dollar. Auch der Absturz war nicht so drastisch: Der langfristige Preis liegt bei 70 Dollar.

"Die Preis-Rally 2006/07 wurde von einigen Unterbrechungen beim Angebot verbunden mit spekulativem Interesse am Markt und dem steigenden Ölpreis verursacht", sagt Greg Barnes von TD Newcrest in Toronto. Die Spekulanten hätten sich inzwischen aus dem Markt verabschiedet. Einige Energieversorger nutzten laut Barnes sogar den Preissturz, um sich mit dem Brennstoff einzudecken. Sie könnten nun den Bedarf für ein bis zwei Jahre aus den Lagerbeständen decken. Bei japanischen Unternehmen reiche der Vorrat sogar für drei bis fünf Jahre. "Das langfristige Angebot ist aber weiterhin bedenklich. Der Produktionsbeginn bei wichtigen Projekten ist nach wie vor unklar", sagt Barnes.

Die künftige Minenproduktion sei stark von einigen wenigen Mega-Projekten abhängig: der Mine Cigar Lake in Kanada und der Ausweitung der BHP-Billiton-Mine Olympic Dam in Australien.

Die kanadische Cameco Corp., weltgrößter Lieferant von Uran für Kernkraftwerke, hält trotz erheblicher Probleme beim Bau der Mine Cigar Lake an dem Zukunftsprojekt fest. Cigar Lake ist seit Oktober 2006 zweimal überflutet worden. Aber die Mine, die Uranerz mit 20 Prozent Uranoxid U3O8 liefern soll, spielt eine wichtige Rolle bei der langfristigen Bedarfsdeckung. Annähernd zehn Prozent der globalen Minenproduktion sollen von Cigar Lake in der Provinz Saskatchewan kommen.

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