Atomwende
RWE braucht eine neue Strategie

Lange Zeit waren Kernkraftwerke für RWE der Eckpfeiler in der Zukunftsstrategie. Durch die Energiewende in Deutschland muss umgedacht und die Investitionen in erneuerbare Energien verstärkt werden.
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Düsseldorf, FrankfurtDie Analysten sind skeptisch. Seit dem Reaktor-Unglück von Fukushima hat ein Analyst nach dem anderen den Daumen gesenkt. Von den 31 Experten, die laut Nachrichtenagentur Bloomberg in den letzten vier Wochen eine Empfehlung abgegeben haben, raten nur noch sechs zum Kauf der Aktie. Dagegen empfehlen 15 Analysten, die Papiere zu verkaufen.

Die meisten Experten erwarten, dass die zwei im Zuge des Atom-Moratoriums abgeschalteten Reaktoren Biblis A und B nicht wieder ans Netz gehen – und haben deshalb ihre Schätzungen überarbeitet. Als eine der Ersten stufte Sofia Savvantidou von der Citigroup die Aktie herunter. Die Kernkraftdebatte führe zu beachtlichen Risiken für die Gewinnentwicklung, die die angespannte bilanzielle Situation noch verschlimmern könnte, schreibt sie in einer Branchenstudie. Sollte die Laufzeitverlängerung aufgehoben werden und sollten die älteren Kernkraftwerke nicht mehr ans Netz gehen, könne der Kurs um fünf Euro fallen.

Auch Tanja Markloff von der Commerzbank rechnet damit, dass sich RWE wegen der Abschaltung der Kernkraftwerke künftig mit niedrigeren Erträgen zufrieden geben muss – was sich wiederum in einer niedrigeren Bewertung der Aktie niederschlägt. Markloff hat das Kursziel von 48 auf 42 Euro gesenkt.

Keine guten Aussichten für die Anleger – zumal die meisten mit der Kursentwicklung ohnehin unzufrieden sein dürften. Aktuell liegt der Kurs bei rund 47 Euro, vor einem Jahr war eine Aktie noch 68 Euro wert – das entspricht einem Minus von fast 30 Prozent.

Für RWE sind die deutschen Kernkraftwerke schließlich bislang verlässliche Gewinnlieferanten. Welche Margen der Konzern mit seinen jeweils zwei Reaktoren in Biblis und Grundremmingen sowie dem Kernkraftwerk Emsland bei Lingen genau verdient, ist zwar ein Geschäftsgeheimnis. Die Anlagen, von denen das erste Mitte der 70er-Jahre und das letzte Ende der 80er- Jahre in Betrieb ging, gehören aber zu den profitabelsten im Konzern. Sie sind komplett abgeschrieben, die Betriebskosten vergleichsweise niedrig. Lediglich die Braunkohleanlagen, die RWE aus dem eigenen Tagebau befeuern kann, sind ähnlich rentabel. Der Betrieb von Steinkohle- und Gaskraftwerken hingegen ist wegen der hohen Rohstoffkosten wesentlich teurer. Analyst Matthias Heck von Macquarie schätzt, dass allein das dreimonatige Moratorium RWE knapp 100 Millionen Euro Gewinn kostet.

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