Politiker aller Parteien jubeln: Mit dem Einstieg von Porsche sei Volkswagen vor den angloamerikanischen Finanzinvestoren geschützt. Die könnten sich nun auf den letzten verbliebenen Übernahmekandidaten stürzen: Daimler-Chrysler. Schon kursiert der Name eines Retters.
Gerade dort, von wo Gefahr droht, hat Mercedes-Benz seine neue R-Klasse vorgestellt: in New York. Foto: dpa
HB MÜNCHEN. „Daimler-Chrysler braucht einen starken Partner", sagt Branchenexperte Helmut Becker. Der Konzern sei als letzter deutscher Autohersteller von einer möglichen Zerschlagung durch Finanzinvestoren bedroht. Der frühere BMW-Chefvolkswirt und heutige Leiter des Münchener Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation hat auch schon einen Käufer ausgemacht: die Familie Quandt - gerade jene Sippe, die den Erzrivalen BMW kontrolliert.
Am Sonntag hatte Porsche bekannt gegeben, sich mit 20 Prozent am Volkswagen-Konzern beteiligen zu wollen. Der Sportwagenhersteller will sich damit den Produktionspartner sichern und VW vor einer feindlichen Übernahme durch einen Finanzinvestor schützen.
Finanzinvestoren gingen immer nach der selben Strategie vor, sagt Becker: „Man hebt verborgene Schätze und verwertet sie. Und diese Art der Verwertung geht praktisch immer zu Lasten unserer Volkswirtschaft.“ Leidtragende seien oft die Beschäftigten. Dagegen müsse sich die Wirtschaft schützen. Die Politik solle sich aber heraushalten. „Die Industrie und die deutsche Wirtschaft insgesamt sollten stark genug sein, das zu stemmen.“ Kapital sei genug vorhanden.
Bei Daimler-Chrysler sei die Gefahr einer Zerschlagung groß, weil ein langfristig orientierter Großaktionär fehle. Anders sei dies beim Konkurrenten BMW, wo die Familie Quandt für Stabilität sorge. „Warum sollte sich nicht zum Beispiel die Familie Quandt auch bei Daimler-Chrysler engagieren?“ Die Quandts hatten durch ihr Engagement bei BMW die Unabhängigkeit des angeschlagenen Unternehmens bewahrt. Es wäre schon eine Ironie der Geschichte, sprängen die Quandts tatsächlich in die Bresche. Ende der 50er-Jahre verhinderten sie die Übernahme BMWs durch Mercedes.
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