Auch die Zulieferer profitieren von Chinas Wachstum und niedrigen Kosten
Asien lockt die Autoindustrie

Darüber sind sich die Automobil-Manager einig wie selten: China wird auf absehbare Zeit der letzte wirklich große Wachstumsmarkt der Branche sein. Schon in wenigen Jahren – die Schätzungen reichen von zwei bis sieben Jahre – soll die Autoproduktion im Reich der Mitte die in Deutschland übertreffen. Damit würde China auf den dritten Rang in der Liste der Automobile produzierenden Länder vorrücken – gleich nach den Vereinigten Staaten und Japan.

FRANKFURT. Solche Aussichten lassen auch die Zulieferer nicht ruhen. Der deutsche Branchenprimus Bosch wolle sein Umsatzvolumen in China von derzeit rund 1 Mrd. Euro binnen zehn Jahren auf 5 Mrd. ausweiten, kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Franz Fehrenbach, auf der IAA in Frankfurt an. Um die Entwicklungsarbeit für die Autohersteller vor Ort leisten zu können, baut der Konzern neben seinem bereits aktiven Werk im Industriepark von Souzhou sein zweites Technisches Zentrum in China. Die erste Baustufe kostet 25 Mill. Euro. Auf mittlere Sicht sieht Fehrenbach China nicht zuletzt als Niedrigkosten-Standort, den er benötigt, um dem Preisdruck der großen Kunden ausweichen zu können.

Auch den Stuttgarter Nachbarn Mahle zieht es nach China. Heinz K. Junker, Chef des Motorkomponenten-Herstellers, blickt fasziniert auf die Zahlen: „Allein im ersten Halbjahr 2003 stieg die Zahl der in China produzierten Pkw um mehr als hundert Prozent, aber auch das bereits hohe Produktionsniveau chinesischer Nutzfahrzeuge stieg nochmals um sieben Prozent – trotz SARS.“ Seine Konsequenz: „Für die nächsten Jahre plant Mahle deshalb überdurchschnittliche Investitionen in den Ausbau der beiden chinesischen Standorte. Darüber hinaus arbeiten wir an der Gründung weiterer Konzerngesellschaften.“ Damit will Junker nicht nur am chinesischen Inlandswachstum teilhaben, sondern das Land auch „als Exportbasis für den gesamten asiatischen Raum ausbauen“.

Ebenfalls begeistert zeigt sich Siegfried Goll, Vorstandsvorsitzender des Achsen- und Getriebebauers ZF Friedrichshafen. „In China müssen wir in den nächsten Jahren einen neuen Schwerpunkt sehen.“ ZF ist dort bereits mit acht Werken vertreten.

Der Klimaanlagen- und Kühlerbauer Behr hält sich noch ein wenig zurück. Zwar laufen zwei Joint Ventures in Japan gut an, und die Klimaanlage für den chinesischen VW Polo wird bereits von einem chinesischen Lizenznehmer gefertigt. Doch die Verhandlungen mit einem Joint-Venture-Partner zum Aufbau einer eigenen Produktion sind noch im Gange.

Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Zwar verfolgt Michael Stoschek, Chef des Sitz- und Türenherstellers Brose in Coburg, ebenfalls „aufmerksam die Investitionen unserer Kunden , um im richtigen Augenblick präsent zu sein“. Doch: „Ob die Euphorie nicht zu hohe Wellen geschlagen hat, werden wir erst in einigen Jahren feststellen können.“

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