Auch Eon und RWE buhlen um die Gunst des Gasriesen Gazprom
Gasproduzent Wintershall hängt in Russland die Konkurrenten ab

„Wir sind das erste Unternehmen, das gemeinsam mit Gazprom Erdgas in Russland fördern wird“, betonte Wintershall-Vorstandschef Reinier Zwitserloot am Dienstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Kassel. Sein Unternehmen habe bereits das erste Projekt in Arbeit und wolle mit dem russischen Partner noch andere Felder in Angriff nehmen.

juf KASSEL. Russland steht derzeit im Fokus der deutschen Energiewirtschaft. Das Land gilt mit seinen riesigen Reserven als unentbehrlich für den Gasbezug. Auch auf Drängen der Bundesregierung versuchen Wintershall sowie Eon und RWE derzeit stärker mit dem staatlichen Gazprom-Konzern zu kooperieren. Vor allem der Einstieg in die Gasproduktion gilt als wichtiger Schritt, um langfristig den Bezug russischen Gases zu sichern. Kurz nacheinander trafen sich jüngst die Chefs der Wintershall-Mutter BASF, Jürgen Hambrecht, der RWE AG, Harry Roels, und der Eon-Tochter Ruhrgas, Burckhard Bergmann, mit Gazprom-Chef Alexej Miller.

Wintershall, Deutschlands größter Öl- und Gasproduzent, hat schon 2003 mit Gazprom das Joint Venture Achimgaz gegründet, um in Westsibirien ein Gasfeld zu erschließen. Vor wenigen Wochen haben die beiden Partner das Projekt endgültig besiegelt, und BASF hat 125 Mill. Dollar für die erste Phase der Feldentwicklung bewilligt. „Das Joint Venture arbeitet bereits“, erklärt Zwitserloot. Der Ausbau der Infrastruktur und die Vorbereitung der Bohrplätze haben begonnen, im Spätsommer starten die ersten Bohrungen. 2008 soll Achimgaz voll einsatzfähig sein und über einen Zeitraum von 40 Jahren rund 200 Mrd. Kubikmeter Gas fördern.

Eon dagegen ist bisher über eine Absichtserklärung nicht hinaus gekommen. Im vergangenen Sommer hat das Unternehmen, dessen Tochter Ruhrgas mit rund 6,5 Prozent an Gazprom beteiligt ist, zwar ein mögliches Förderprojekt identifiziert. Ebenfalls in West-Sibirien will es sich an der Erschließung des Feldes Yuschno-Russkoje beteiligen und gemeinsam mit Gazprom eine Mrd. Euro investieren. Eon zögert aber. Die endgültige Entscheidung werde bis Jahresende fallen, sagt Eon-Chef Wulf Bernotat. Die Verhandlungen seien komplex, weil man parallel mehrere Projekte prüfe – so soll sich Eon an der geplanten Pipeline durch die Ostsee beteiligen und Gazprom bei der Stromerzeugung helfen.

Gazprom geht das aber offenbar nicht schnell genug. Vorstandschef Miller hat auch die Chefs von BASF und RWE auf das Projekt angesprochen. Bernotat gibt sich gelassen: Es könne sein, dass andere Unternehmen interessiert seien, konkrete Verhandlungen gebe es aber nicht. „Die Gespräche mit Gazprom kommen planmäßig voran“, sagt der Eon-Chef, „es gibt keinen Sand im Getriebe“. In Eon-Kreisen werden die Äußerungen aus dem Gazprom-Konzern als Versuch gewertet, die Gespräche mit Eon voranzutreiben.

Wintershall-Chef Zwitserloot zeigt sich aber an dem Feld interessiert. „Wir wollen mit Gazprom weitere Gasfelder entwickeln“, sagt er, „ob Yuschno-Russkoje dabei ist, wird man sehen.“ Gegenüber dem Konkurrenten sieht er sich im Vorteil, weil Wintershall im Gegensatz zu Eon über umfangreiches technisches Know-how verfügt. „Investieren können alle, bohren nicht.“

Beteiligen will sich Wintershall nach Zwitserloots Worten an der Ostseepipeline. Nicht zur Diskussion steht dagegen ein direkter Einstieg bei Gazprom: „Gazprom hat drei Arten von Beziehungen: Reine Kunden – wie Gaz de France–, Aktionäre – wie Eon Ruhrgas – und einen richtigen Partner – die Wintershall.“

Unklar sind noch die Ambitionen von RWE. Der Konzern hat mit Gazprom eine Arbeitsgruppe gebildet, um gemeinsame Projekte auszuloten. Unter anderem gehe es dabei um langfristige Bezugsverträge und Infrastrukturprojekte, erläutert Konzernchef Roels. Ob RWE auch an der Gasproduktion interessiert ist, lässt Roels aber offen.

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