Audi-Absatz schwächelt
China wird zur nächsten VW-Baustelle

China war bisher einer der wenigen Lichtblicke für Volkswagen. Nun bekommen die Wolfsburger auch dort Probleme. Die Premiummarke Audi, bisher wichtigste Gewinnmaschine in der Volksrepublik, stellt ihr Absatzziel infrage.
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HamburgFür Volkswagen verdunkeln sich die Aussichten auf dem weltgrößten Pkw-Markt China zusehends. Nach der Hauptmarke VW schwächelt nun auch die Oberklassetochter Audi. Der größte Gewinnlieferant des Wolfsburger Autokonzerns stellte am Donnerstag sein Absatzziel in China infrage. Rabattschlachten, der Kampf der Regierung gegen Korruption und die Talfahrt des chinesischen Aktienmarkts machen den Autobauern das Leben schwer. Für den VW-Konzern steht dort besonders viel auf dem Spiel, denn die Wolfsburger fahren in China einen Großteil des Gewinns ein.

Man führe derzeit Gespräche mit Händlern, ob das Ziel, in diesem Jahr dort erstmals 600.000 Fahrzeuge zu verkaufen, noch erreichbar sei, sagte eine Sprecherin des Ingolstädter Autobauers am Donnerstag. Neuigkeiten dazu sollten bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 30. Juli bekanntgeben werden. Als Erste hatte darüber die Agentur Bloomberg berichtet.

Im Juni war der Absatz von Audi in China bereits um knapp sechs Prozent geschrumpft. Im vergangenen Jahr hatte die Marke mit den vier Ringen im Reich der Mitte 578.900 Fahrzeuge losgeschlagen, ein Plus von fast 18 Prozent.

Die Hauptmarke VW-Pkw kämpft dort bereits seit einigen Monaten mit rückläufigen Verkaufszahlen. Und ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar. Der chinesische Branchenverband hatte jüngst seine Absatzprognose für den weltgrößten Automarkt von sieben auf nur noch drei Prozent zurückgeschraubt. Der Wachstumsrückgang trifft die deutschen Autobauer wegen ihres hohen Marktanteils im Reich der Mitte besonders.

Damit steigt die Zahl der Baustellen für Europas größten Autobauer: China war bisher einer der wenigen Lichtblick für Volkswagen. Denn in Brasilien und Russland befindet sich der Absatz schon seit einiger Zeit im Rückwärtsgang. In den USA zuckeln die Wolfsburger zudem wegen einer verfehlten Modellpolitik hinter der Konkurrenz hinterher.

In der Volksrepublik sprudelt der Gewinn dagegen bisher. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass der Anteil der beiden chinesischen VW-Gemeinschaftsunternehmen am Nettogewinn des Wolfsburger Imperiums einschließlich Lizenzgebühren und Einnahmen aus dem Import von Autos bei mehr als 50 Prozent liegt.

Wenn nun auch Audi schwächelt, könnte dies Spuren beim Gewinn des Zwölf-Marken-Konzerns in den kommenden Monaten hinterlassen, befürchten einige Experten. Nach Ansicht von Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI ist die Prognosekorrektur in China allein noch kein Drama: „Ob Audi 30.000 oder 40.000 mehr oder weniger in China verkauft, ändert nichts“, sagte er. VW habe vor allem strukturelle Probleme zu lösen. Er sei daher gespannt, was das Management im September präsentieren werde. Konzernchef Martin Winterkorn will dem Aufsichtsrat Ende September sein Konzept für den Umbau des Zwölf-Marken-Imperiums präsentieren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • es gibt kein unbegrenztes Wachstum.

  • Ach WICO

    du landest einen Flop nach dem anderen.

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