Industrie

_

Audi-Amerika-Chef Keogh: „Amerikaner mögen Limousinen“

Die VW-Tochter Audi hat sich binnen weniger Jahre in den USA von einem Nischenanbieter zu einem ernstzunehmenden Spieler in der Premiumklasse gewandelt. Landeschef Scott Keogh will sogar zur Nummer eins aufsteigen.

Audi setzt sein starkes Wachstum in Nordamerika fort. Im Bild: Eine Audi S8 Limousine. Quelle: obs
Audi setzt sein starkes Wachstum in Nordamerika fort. Im Bild: Eine Audi S8 Limousine. Quelle: obs

New YorkAudi kann die US-Amerikaner zunehmend für seine teuren Wagen begeistern. „Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Audi ist in den vergangenen drei Jahren um 10.000 Dollar gestiegen“, sagte Landeschef Scott Keogh der Nachrichtenagentur dpa in New York. „Früher waren wir in den USA eine 42.000-Dollar-Autofirma, heute sind wir eine 52.000-Dollar-Autofirma.“ Der Grund liege in einer besseren Ausstattung sowie gestiegenen Verkäufen von größeren Modellen wie den Limousinen A6 oder A8.

Anzeige

„Die meisten unserer Kunden wechseln von BMW“, sagte Keogh. Das gelte aber auch umgekehrt. „Die beiden Marken ziehen die gleichen Kunden an.“

Für Keogh ist das ein Erfolg: „Vor einigen Jahren wussten die meisten Amerikaner nicht, in welche Liga sie Audi eigentlich stecken sollten.“ Die Kunden seien unsicher gewesen, ob sie einen Audi mit einem BMW beziehungsweise Mercedes oder mit den meist billigeren japanischen Wettbewerbern vergleichen sollten. Heute gelte Audi bei den Amerikanern als „der Aufsteiger“, sagte Keogh. Deswegen könne die Marke auch gute Preise verlangen.

Welche Autostandorte die beste Qualität produzieren

  • Quelle

    In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Produktqualität der Automobilstandorte bewerten.

  • Platz 18

    Türkei
    Nirgendwo wird die Produktqualität schlechter bewertet als in der Türkei. Nur zwei Prozent der befragten Unternehmen halten die Türken für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 17

    Ungarn
    Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Produktqualität hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 20 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 16

    Indien
    Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Darunter leidet auch die Bewertung der Produktqualität. Vier Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 22 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 15

    Polen
    Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch die Produktqualität wird nicht sonderlich hoch bewertet. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für wettbewerbsfähig.

  • Platz 14

    Russland
    Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Produktqualität besteht Nachholbedarf. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 13

    Slowakei
    Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet in der Bewertung der Produktqualität ebenfalls eher schlecht ab. Drei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 12

    China
    Als Absatzmarkt ist China für die Hersteller immens wichtig, in der Produktion gibt es offensichtlich noch Probleme. Nur fünf Prozent halten China in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 27 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 11

    Spanien
    Auch in Spanien werden derzeit die Autoproduktionen wieder hochgefahren. Sechs Prozent halten das Land in punkto Produktqualität für sehr wettbewerbsfähig, 28 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 10

    Brasilien
    Einen großen Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Produktqualität bewerten sieben Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 29 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 9

    Tschechien
    Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen in punkto Produktqualität einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 31 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 8

    Italien
    Auch wenn die Autoindustrie des Landes leidet, an der Produktqualität in der Heimat von Fiat und Ferrari kommen nur wenige Zweifel aus. Sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in diesem Punkt für sehr wettbewerbsfähig, 34 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 7

    Frankreich
    Auch wenn der Mittelfeldplatz anderes vermuten lässt: Auch in punkto Produktqualität sind die Franzosen der große Verlierer des Rankings. Satte 15 Prozentpunkte hat der Standort seit 2011 eingebüßt. Mittlerweile halten nur noch zehn Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 34 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 6

    England
    Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Produktqualität halten die Briten immerhin den Anschluss an die Spitzengruppe. 13 Prozent bewerten die Heimat von Mini und Rolls Royce als sehr wettbewerbsfähig, 35 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 5

    USA
    Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Produktqualität hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 47 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 4

    Südkorea
    Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt auch an der Produktionsqualität der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Qualitätsranking satte 22 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 19 Prozent aller befragten Unternehmen ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 42 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 3

    Schweden
    Auch in der Produktqualität belegt die Heimat von Volvo einen Spitzenplatz. 14 Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 19 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 43 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 2

    Japan
    Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Produktqualität. 28 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 44 als eher wettbewerbsfähig. Das sind satte 18 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

  • Platz 1

    Deutschland
    Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa qualitativ hochwertiger als Deutschland. Satte 51 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Produktqualität, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Die VW-Tochter hatte in den USA lange ein Nischendasein gefristet. Erst durch mehr Marketing, ein vergrößertes Händlernetz und neue Modelle wurden die Amerikaner auf Audi aufmerksam. Seitdem folgt ein Verkaufsrekord dem nächsten. „März sieht sehr gut aus“, sagte Keogh. „Es wird der 27. Rekordmonat in Folge sein.“ Das stimmt ihn auch für das Gesamtjahr zuversichtlich: „Die Marke wird in den USA zum ersten Mal in ihrer Geschichte mehr als 150.000 Einheiten verkaufen.“ Im vergangenen Jahr waren es 139.000 Stück - ein Zuwachs von 19 Prozent.

Größte Autohersteller in den USA

  • Platz 10

    BMW - 348.000 verkaufte Fahrzeuge

    Die USA gehören für die Münchener zu den wichtigsten Märkten der Welt. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Absatz um 14 Prozent zulegen.

  • Platz 9

    Kia - 558.000 verkaufte Fahrzeuge

    Die Koreaner sind auf Rang neun abgerutscht. Und das trotz eines Absatzzuwachs von 15 Prozent.

  • Platz 8

    Volkswagen - 596.000 verkaufte Fahrzeuge

    Während die Wolfsburger weltweit zu den größten Autoherstellern zählen, haben sie auf dem amerikanischen Markt noch einen großen Abstand zur Spitze. Immerhin legte der Absatz im Jahresvergleich um 34 Prozent zu.

  • Platz 7

    Hyundai - 703.000 verkaufte Fahrzeuge

    Neun Prozent mehr Fahrzeuge konnten die Koreaner im Jahr 2021. In den USA bewegen sie sich auf einem Mittelfeldplatz.

  • Platz 6

    Nissan - 1,14 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    In den USA erholen sich die Japaner von ihrer Absatzschwäche. Mit einem Wachstum von zehn Prozent festigen sie ihre Position unter den größten Herstellern in den USA.

  • Platz 5

    Ford - 1,421 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    Im Heimatmarkt verkaufen die US-Amerikaner 25 Prozent ihrer Fahrzeuge. Die Verkäufe ziehen leicht an: Ford kommt auf ein Wachstum von sechs Prozent.

  • Platz 4

    Honda - 1,421 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    Die Japaner erobern hauchdünn den vierten Platz in den USA. Der Absatz wurde um 24 Prozent gesteigert.

  • Platz 3

    Chrysler - 1,65 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    Chrysler gehörte zu den totgesagten Markten in den USA in Folge des Konjunktureinbruchs 2009. Doch mittlerweile ist der US-Konzern zum Retter geworden – und zwar für die Mutter Fiat. In 2012 gab es ein Plus von 21 Prozent bei den Absatzzahlen.

  • Platz 2

    Toyota - 2,08 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    Die Absatzzahlen der Japaner sind 2012 in den USA regelrecht explodiert. Im Vorjahrsvergleich verkaufte Toyota 27 Prozent mehr Fahrzeuge.

  • Platz 1

    General Motors - 2,60 Millionen verkaufte Fahrzeuge

    Detroit bleibt die Wiege der amerikanischen Autoindustrie - und General Motors führend im Heimatland. Gegenüber dem Vorjahr gab es ein leichtes Wachstum von vier Prozent.

  • Methodik

    Einmal pro Quartal erstellen die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young ein Ranking der größten Autokonzerne nach Absatz. Wie die Autohersteller in den USA abgeschnitten haben. (Daten: Gesamtjahr 2012)

Neue Modelle sollen das Tempo hoch halten. Anlässlich der Auto Show in New York stellte Audi den kompakten A3 als Limousine vor. „Wir werden dramatisch mehr Autos verkaufen, die Amerikaner mögen Limousinen.“ Mit einem Schub rechnet Keogh auch, wenn der Geländewagen Q5 ab 2016 aus dem neuen Werk im benachbarten Mexiko rollt. „Das wird den Weg von der Fabrik in die Schauräume der Händler dramatisch verkürzen.“

Meistverkaufte Autos der USA Think big

  • Meistverkaufte Autos der USA: Think big
  • Meistverkaufte Autos der USA: Think big
  • Meistverkaufte Autos der USA: Think big
  • Meistverkaufte Autos der USA: Think big

Dagegen sieht Keogh für den kleinsten Audi, den A1, momentan keinen Markt in den Vereinigten Staaten: „Wir werden uns aber die zweite Generation des A1 sehr genau anschauen.“ Rivale BMW ist mit seiner Kleinwagen-Tochter Mini sehr erfolgreich in den USA.

„Unser Ziel ist es, die führende Premiummarke in Amerika zu werden“, sagte Keogh. Er wollte sich jedoch nicht festlegen, wann es soweit sein könnte. Noch rangeln BMW und Mercedes-Benz um die Spitzenposition. Beide verkaufen immerhin doppelt so viele Premiumwagen in den Vereinigten Staaten wie Audi, wachsen aber langsamer. Auch die Toyota-Tochter Lexus ist stark. Die US-Rivalen Cadillac und Lincoln arbeiten gerade an einem Comeback.

  • Die aktuellen Top-Themen
Offener Brief: Spiegel-Betriebsrat stellt sich gegen Büchner

Spiegel-Betriebsrat stellt sich gegen Büchner

Die Krise beim „Spiegel“ nimmt kein Ende. Seit Wochen steht der Chefredakteur Wolfgang Büchner im Fokus der Aufmerksamkeit. Jetzt hat sich der Betriebsrat eingeschaltet; in einem offenen Brief hagelt es Kritik.

Börsengang für Sparte Material Science: Bayer verabschiedet sich vom Plastik

Bayer verabschiedet sich vom Plastik

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer bereitet die Trennung von seiner Kunststoffsparte Material Science vor. Künftig will sich das Unternehmen auf zwei Geschäftsbereiche konzentrieren.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer